Sonntag, 11. Februar 2018

Hoffnungslos, aber nicht ernst

Habt ihr auch Standardantworten auf banale Fragen?
„Wie geht`s?“ - „Muss ja.“ Wäre ein Paradebeispiel für eine solche.
Fragt man mich zum Beispiel: „Wie ist die Lage?“ dann antworte ich gerne mit „Hoffnungslos, aber nicht ernst“
Diese, meine floskulierte Antwort schwirrt mir derzeit im Kopf herum, wenn ich an den HSV denke.

Einen richtigen Grund zur Hoffnung will mir mein Leib- und Magenverein dieser Tage einfach nicht liefern. Nicht dass ich das 0:2 von Dortmund zu einem Weltuntergang hochwerten will, im Gegenteil die Leistung beim BVB war doch wesentlich positiver als befürchtet, doch mag ich daraus keine Hoffnung schöpfen. Verliert man Spiele in denen man eine gute Leistung anbietet, fragt man sich doch was passiert wenn diese ausbleibt?

Es ist diese Harmlosigkeit im Abschluss, die eventuell aufkommende Hoffnung im Keim erstickt. Egal wer im Angriff spielt, Torgefahr stellt sich einfach nicht ein und wenn man auch noch dazu neigt mindestens einen Gegentreffer zu kassieren ist es mit der Punktausbeute nicht sehr weit her.
Am Sonnabend konnte man wirklich keinem Spieler oder Trainer unterstellen, dass er nicht alles versucht hätte und daher ist der ausbleibende Erfolg als fehlende Klasse einzuschätzen.
Zumindest mache ich das so.

Für viele heißt daher die aktuelle Durchhalteformel: Hoffmann = Hoffnung
Bernd Hoffmann hat sich den Termin für seine versuchte Rückkehr ausgesucht, aber nicht die aktuelle Lage des HSV. Ihm vorzuwerfen er würde zur Unzeit kandidieren halte ich daher nicht für legitim. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein kurzer Wahlkampf um den Vorsitz des eV die Herren Profikicker beeinflusst. Andersrum sollte auch jedem klar sein, dass die Wahl Hoffmanns zum Präsidenten sich nicht mehr positiv auf diese Saison auswirken wird, wenn sie das denn überhaupt tut.

Ich traue Hoffmann durchaus zu bei Entscheidungen des Aufsichtsrats seine Sportmanagementerfahrung für den HSV einzubringen und glaube auch, dass der eV unter seiner Führung nicht zu Grunde gehen wird. Als einen Heilsbringer sehe ich ihn aber nicht und sein Wahlkampf erscheint mir für das angestrebte Amt überzogen zu sein. Vielleicht erinnert er mich auch nur zu sehr an 2014, als mir vieles Versprochen wurde, woran sich nach der Wahl niemand mehr erinnern wollte.

So viel also zur Hoffnung, aber warum ist die Lage nicht ernst?
Natürlich ist die sportliche Lage ernst, sehr sogar, doch den Verein / die AG kann doch wirklich keiner mehr ernst nehmen. Schon der Versuch dies zu tun würde einen in die Verzweiflung treiben.
Nehmen wir doch diesen Putschversuch des AR gegen den Vorstand. Allein schon über die Formulierung könnte man sich totlachen, wenn es nicht so traurig wäre. Da erfüllt ein Rat seine Pflicht, in dem er hinterfragt ob der erfolglose Vorstand noch richtig am Platz ist, schreibt das per Mail an seine fünf Kollegen und liest es zwei Tage später in der Zeitung.
Um so eine Führung ernst zu nehmen fehlt mir der Humor.
Übertroffen wird diese Farce nur dadurch, dass angeblich der Name Magath ins Spiel gebracht wurde. Wäre dies geschehen hätte ich die Tickets für die nächsten (letzten?) Heimspiele zusammen mit meinem Mitgliedsausweis öffentlich verbrannt.

Auch die Mitgliederversammlung steht auf der Kippe, da die Kuppel nicht für die hoffmannsche Mitgliederrequirierung (Es sollen Fanclubs Busse zur Anreise angeboten worden sein) ausreicht. Da man jetzt auch nicht mehr auf eine größere Location ausweichen kann, droht der Ringelpietz auszufallen. Auswärtige Mitglieder werden sich zweimal überlegen, ob sie anreisen…

Und dann sind da ja auch noch die Finanzen die Jahr für Jahr so hinjongliert werden, dass es gerade so für die Lizenz reicht, ob auch für die kommende Saison, gleich in welcher Liga, muss sich angesichts sinkender Zuschauerzahlen und bestenfalls gleichbleibender Platzierung in der Fernsehgeldtabelle erst noch herausstellen.

Denke ich über den Niedergang meines Vereins in den letzten Jahren nach ist mir zum Heulen zu Mute, also versuche ich die Situation so gut wie möglich auszublenden und doch gehe ich nächsten Sonnabend wieder ins Stadion um am Sonntag zur MV, dort werde ich (so wie ich mich kenne) bereit sein nach jedem Fünkchen Hoffnung Ausschau zu halten, diesen aufzugreifen und daraus ein Feuer zu entfachen. Nur woher dieser Funken kommen soll ist mir Stand heute nicht klar.

Samstag, 16. Dezember 2017

In Frage gestellt

Heut Morgen fand ich auf Facebook folgende Aussage von Martin Sonnleitner, den ich sehr gerne lese, wenn er für die Welt schreibt, der auf Facebook aber natürlich privat unterwegs ist.
#HSV Und wer den Schuss noch nicht gehört hat: 15 Punkten nach Hinserie sind ein Armutszeugnis, auch für den Coach. Unter normalen Umständen wäre der lä‬ngst massiv in Frage gestellt. HSV ist aber nicht normal, sondern hochverschuldet.
Martins Aussage wurde direkt nach dem Spiel verfasst und doch glaube ich, dass er damit vielen HSVern aus der Seele schreibt und daher will ich mich einmal damit befassen.

Mal davon abgesehen, dass die Eröffnungsfloskel „Und wer den Schuss noch nicht gehört hat“ impliziert, dass der Verfasser und alle gleichdenkenden recht haben und diejenigen, die seiner These nicht folgen blind, verblendet oder schlimmeres sind macht es sich Martin meiner Meinung nach zu leicht.
15 Punkte nach der Hinrunde sind indiskutabel für den gesamten Verein, also auch und das in erster Linie für den Trainer und dass sich der Verein seit Jahren an der Grenze zur Handlungsunfähigkeit bewegt ist nun wirklich keine neue Erkenntnis, doch ist dies der Grund, weshalb Markus Gisdol noch  nicht in Frage gestellt wurde?

Wer stellt eigentlich einen Trainer in Frage?
Meist geschieht das erst in der Öffentlichkeit durch Äußerungen, wie die von Martin, durch Vergleiche der Punktausbeute mit den Vorgängern, kurz durch die Sehnsucht den einen Verantwortlichen für die Miesere benennen zu können.
Beim HSV war es lange Zeit darüber hinaus so, dass sich die Verantwortlichen so ungeschickt geäußert haben, dass man ihren Zweifel am Trainer zwischen den Zeilen heraushören konnte und sie so gewollt oder ungewollt die Trainerdiskussion befeuerten.

Momentan sprechen zwei Gründe dafür, dass der HSV an Markus Gisdol festhält.
Da wäre einmal Heribert Bruchhagen, der bekannt dafür ist an Trainern festzuhalten und dann ist da noch die Mannschaft selbst, die durch ihr Auftreten in der zweiten Halbzeit gegen Frankfurt und über weite Teile in Mönchengladbach zeigt, dass sie bereit ist sich gegen Niederlagen mit allem was sie hat zu stemmen.
Natürlich sind Bruchhagen durch die leeren Kassen die Hände gebunden und da muss er sich noch einmal mehr überlegen, ob es Sinn macht sich vom Trainer zu trennen, doch wage ich zu behaupten, dass er auch ohne diese Zwänge an Gisdol festhalten würde, weil er der Alternative (wie immer sie auch hieße) keine größere Erfolgschance zutrauen würde und weil die Mannschaft in den letzten Spielen eben zurückgekommen ist und zwar von ganz weit unten.

Mir selbst bereitet es fast körperliche Schmerzen sehen zu müssen, wie vogelwild ungeordnet und fast schon hilflos der HSV zwischen der 10. Und 30. Minute gegen Frankfurt und zu Beginn gegen Gladbach spielte, doch schaffte man es in beiden Begegnungen ins Spiel zurück. Gegen Frankfurt lieferte der HSV die stärkste zweite Halbzeit seit langem ab und gegen Gladbach war man drauf und dran das Spiel zu drehen. Natürlich fehlte in beiden Begegnungen der Erfolg, doch konnte man deutlich sehen, dass es in der Mannschaft stimmt.

Ich fände es großartig, wenn der HSV diesmal am Trainer festhalten würde, wenn er dem Kader vertrauen würde und auf panische Wintereinkäufe verzichten würde (dies schließt Kaderentwicklungen nicht aus), großartig wäre es dies offensiv zu verkünden, so mit Köpfen und Geschichten für den Verein zu werben , um die Lücken auf den Tribünen möglichst bald wieder zu füllen. Ideal wäre es sogar, wenn man von Kühne angebotenes Geld zurückweisen würde, um das Vertrauen in Trainer und Kader unter Beweis zu stellen.

Der HSV hat in den letzten Jahren einige Krisen überwunden in dem er Trainer und/oder Manager gefeuert hat, um sofort wieder in die nächste Krise zu schlittern. Würde man die jetzige Situation meistern ohne das verantwortliche Personal auszutauschen, könnte daraus eine Entwicklung entstehen. Dafür muss der Vorstand aber glaubhaft machen, dass er von diesem Weg überzeugt ist und ihn nicht mangels finanziellen Spielraums beschreitet.
Jetzt sind sie gefordert Herr Bruchhagen.

BTW: Über die Taktik des HSV habe ich mich mit Tobias Escher im HSVTalk unterhalten


Samstag, 2. Dezember 2017

Anspruchsdenken

Matthias Sammer war enttäuscht vom HSV. Fast schon sauer auf den HSV, eben den HSV, den er vor Jahren mal am Nasenring durch die Arena führte, als er Sportchef werden sollte. Auch wenn das olle Kamellen sind, sehe ich Sammer seither noch kritischer, als ich es ob seines einnehmenden Wesens ohnehin schon getan habe. Umso höher kann man es bewerten (wenn man denn will), dass ich Sammers Auftreten bei Eurosport im Verbund mit Jan Henkel für das Beste halte, was uns TV-Deutschland momentan in Sachen Fußball zu bieten hat.

Gestern also war der Sammer fast so sauer wie einst als seine Verpflichtung beim HSV als perfekt galt, bevor er zugestimmt hat. Diesmal war der Grund der fußballerische, teilweise antifußballerische Auftritt des HSV in Freiburg.
Unverständlich sei gewesen, dass eine Mannschaft, die einen Lauf hat die Bälle bei eigenem Abstoß so herschenkt, um über die Lotterie des zweiten Balles wieder in dessen Besitz zu kommen und so dem Zufall den Spielaufbau überlässt.

Zugegeben, schön anzusehen war das Spiel des HSV über weite Teile gerade der zweiten Halbzeit nicht und die fachlichen Analysen des Herrn S. trafen einmal mehr ins Schwarze und trotzdem maße ich mir an, die Aussagen des TV-Experten zu hinterfragen.
Einen Lauf attestiert Sammer dem HSV und begeht damit meiner Meinung nach einen grundlegenden Fehler, schließlich waren die Rothosen vor dem Freiburgspiel auswärts fünf Spiele lang nicht nur sieg- sondern punktlos. Aus den letzten elf Spielen holte der HSV gerade einmal sieben Punkte. Ist das ein Lauf?
Natürlich nicht. Wenn überhaupt kann man dem HSV bescheinigen allmählich an die Heimstärke der letzten Rückrunde anzuknüpfen.

Augenscheinlich war der ehemalige Feuerkopf vom Auftritt des HSV gegen Hoffenheim derart begeistert, dass er erwartete man würde die Freiburger mal eben schnell aus deren eigenem Stadion fegen. Auf jeden Fall hat Sammer nicht berücksichtigt, dass der HSV gerade dabei ist ein Spielsystem zu adaptieren und dabei großen Schwankungen unterliegt, da dieses nicht an jedem Tag auf jeden Gegner passt. Die Umstellung von einer auf zwei Spitzen von Dreier-auf Viererkette (oder umgekehrt), die während eines funktionierenden Spiels zu bestaunen war, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Umstellung hin zu mehr Kreativität und Angriffskraft ungleich schwerer ist.
Zumindest scheint Markus Gisdol dies so zu sehen und wechselte in einer Phase, da im Spiel nach vorn nichts laufen wollte defensiv. Den Wechsel Walace für Hunt habe ich als Angst vor der eigenen Courage empfunden, hatte Gisdol doch mit Ito einen Spieler auf der Bank, der wesentlich belebender für das Spiel als der dritte Sechser gewesen wäre.

Aber warum kritisiere ich die sammersche Herangehensweise an das gestrige Spiel?
Ganz einfach. Wir HSVer werden immer wieder mit unseren überzogenen Ansprüchen konfrontiert, sind nach jedem Sieg schon fast in Europa und nach zwei Siegen auf dem Weg zur Meisterschaft.
Zugegeben es hat ein paar Jahre gedauert, bis die bittere Kost des Abstiegskampfes in den Köpfen der HSVer angekommen  ist, doch nach der zweiten Relegation und dem Scheitern von Dietmar Beiersdorfer weiß doch jeder im Volkspark (ausgenommen dem handelsüblichen Anteil an Spinnern), dass es im Moment nur darum gehen kann, die Abstiegsplätze möglichst schnell, möglichst weit hinter sich zu lassen. Wenn dabei endlich einmal(!) das Einbauen von Talenten, die zum Teil auch noch aus dem eigenen Nachwuchs kommen, gelingt, ist das unser Europapokal.
In diesem Moment der Erdung, stellt sich Sammer auf Grund eines (zugegebener Weise starken) Spiels hin und erwartet große Ding vom HSV, die dieser noch (?) nicht zu leisten im Stande ist und bringt sein Missfallen über eben dieses Nichtleisten zum Ausdruck.

Das sind diese überzogenen Erwartungshaltungen, die uns HSVern immer vorgeworfen werden und eben das wollte ich nicht unkommentiert stehen lassen.
Ich halte es lieber mit den Spielern, die im Interview an die ertragslosen besseren Auswärtsauftritte der letzten Monate erinnerten und den etwas glücklichen Punkt halbwegs zufrieden mitnehmen.

PS: Jetzt kommen zwei Heimspiele
Nur der HSV

Samstag, 9. September 2017

Eine ganz normale Niederlage

Wenn der amtierende Vizemeister bei einer Mannschaft, die seit Jahren gegen den Abstieg spielt mit 2:0 gewinnt kann man das als normal bezeichnen. Gestern hat der HSV in der ersten Halbzeit gut mitgehalten und hatte dabei sogar die klarste Chance, als Kostic den Ball nach einem wunderschönen Konter nicht auf das Tor bringen konnte. Doch mit zunehmender Spieldauer wurde Leipzig immer überlegener und hat am Ende verdient gewonnen.
So weit, so normal.

Wie ihr vielleicht wisst stehe ich bei Heimspielen immer mit einer kleinen aber lautstarken Clique im Block 26a und gestern kam doch tatsächlich einer dieser ultragefährlichen Ultras auf mich zu und bedroht mich mit der Frage: „Würden sie auch eine Kleinigkeit für die nächste Choreo spenden?“ Nachdem ich darauf hingewiesen habe, dass ich ihm bei einem erneuten Siezen den Klingelbeutel klauen würde bin ich dieser Erpressung gerne nachgekommen.
Diese kleine Anekdote soll nur zeigen, dass mein Verhältnis zu den Ultras zunehmend unverkrampfter wird seit ich “in der Nord“ stehe. Natürlich finde ich nicht alles toll und richtig was dort passiert, doch ist das Engagement um Fankultur und die Unterstützung der Mannschaft absolut lobenswert.

Auch den Umgang mit unserem gestrigen Gegner finde ich bemerkenswert reflektiert. Sowohl in der Kurveninfo von Poptown als auch per Mikro vor dem Spiel wurde dazu aufgerufen die Kapitalisierung des Fußballs nicht nur auf Red Bull und Co zu reduzieren, sondern sich auch als Verein an die eigene Nase zu fassen.
Gestern, so mein Eindruck hielten sich die Schmähgesänge gegenüber den Leipzigern im Rahmen, auch wenn natürlich nach dem revidierten Elfer Timo Werner als Sohn einer Frau dargestellt wurde, die dem ältesten Gewerbe der Welt nachgeht. Trotz des handelsüblich theatralischen Fallers von Werner war das Besondere dieser Szene, dass Aytekin den sauberen Zweikampf überhaupt erst abgepfiffen hat.

Stolz auf die Kurve, die ja eine Tribüne ist, war ich zum Ende des Spiels, als die Mannschaft ob ihrer Leistung unterstützt wurde und nach dem Abpfiff den verdienten Applaus für die erbrachte Leistung bekommen hat. Da sage noch einmal jemand, dass die Fans überzogene Erwartungen hätten…
Stolz und froh war ich nach dem Abpfiff auch über die Aussage des Trainers, der die Probleme im Kader durch Förderung des eigenen Nachwuchses begegnen will.

Es wäre nicht die erste Tugend, die aus der Not heraus geboren wurde.

Apropos Trainer. Gestern war sehr gut zu sehen, warum Gisdol Andre Hahn unbedingt haben wollte. Wahnsinn, was der Rückkehrer gestern geackert und gekämpft hat und deutlich zu sehen, dass er dadurch besser zur Spielweise des HSV passt, als es ein Gregoritsch tat. Ich revidiere meine Meinung hier gerne.
Mit einem Auftreten wie gestern muss dem HSV nicht bange sein, wenn es um den Klassenerhalt geht, sollten aber nur 95% der Einsatzbereitschaft auf den Platz gebracht werden wird es gegen jeden Gegner eng. Aber diese Erkenntnis ist auch nicht neu.

Einen hab ich noch: Liebe Multimediaabteilung des HSV, richtet doch bitte ein Augenmerk auf die Barrierefreiheit eurer Tweets!


Danke

Sonntag, 27. August 2017

Alles gut?

Vor zwei Wochen sah es anders aus, die erbärmliche Vorstellung (das Wort Leistung verbietet sich hier) von Osnabrück ließ Schlimmes für diese Saison ahnen. Doch wesentlich schwerer wog meiner Meinung nach, dass sich die Vereinspolitik, die sich nach wie vor von Angst und Bedenken treiben lässt auf dem Spielfeld widerspiegelte.
Mut- und ideenlos, uninspiriert und mit veränderten Situationen überfordert war der HSV in diesem Pokalspiel und genau so habe ich die handelnden Personen in der Sommerpause empfunden.
Nein, die Veränderungen im Kader überzeugen mich nicht, zumal das gesetzte Ziel der Gehaltseinsparungen schon beim ersten mallorquinischem Grummeln über den Haufen geworfen wurde.

Und es wurde nachgelegt aus Mallorca. Die Statements über Luschen, Unerfahrenheit und mangelnder Handlungswilligkeit habe ich dabei als ein zwar immer wieder nerviges, jedoch schon gewohntes Sommergewitter abgetan. Bei dem Dreieckshandel: „Ohne Vertragsverlängerung mit Wood helfe ich euch nicht bei Hahn“ sieht das schon ganz anders aus.
Ich bin mir sicher, dass der Gönner meinte sein Ultimatum sei zum Besten des HSV, aber verdammte Axt er als Person außerhalb des Vereins hat nicht zu entscheiden, was dieses Beste ist. Mit diesem von ihm selbst preisgegebenen Vorgehen wurde zudem erstmalig öffentlich bekannt, dass sich der Investor sehr wohl in die Geschäfte der AG einmischt. Auch ich, der sich bislang weigerte seine Äußerungen als dumm zu klassifizieren und meist einen Sinn hinter diesen gesucht oder gesehen hat, komme diesmal nicht darum herum die öffentliche Preisgabe dieser Abläufe als eben dies zu bezeichnen:
Dumm!
Hinzu kommt noch die Tatsache, dass beide Spieler von Kühnes ehemaligen (?) Ratgeber Volker Struth beraten werden, der an diesem Dreieckshandel gut verdient haben dürfte.

In meinen letzten Beiträgen hier, habe ich auf die Notwendigkeit hingewiesen sich vom Geldgeber zu emanzipieren. Zumindest sollte man aus eigener Kraft für einen ausgeglichenen Etat sorgen können, doch wieder einmal wurde klar wie wenig Interesse Klaus Michael Kühne daran hat. Zu gut gefällt er sich in der Rolle des Retters in der Not, der kommt wenn scheinbar nichts mehr geht und dann zu seinen Bedingungen hilft.

Ein Weg aus dieser Abhängigkeit ist sportlicher Erfolg. Das Abrutschen in der Fernsehgeldtabelle auf Platz 15 wird von Heribert Bruchhagen mit Recht kritisiert. Fraglich ist natürlich in wie weit sich eine verbesserte sportliche Situation auf die Rückzahlung diverser Darlehen auswirken würde.
Aber nichtsdestotrotz ist sportlicher Erfolg wünschenswert und zumindest da ist der HSV auf einem guten Weg. Erstmalig nach sieben Jahren ist man mit zwei Siegen in die Saison gestartet und wenn es auch eine Portion Glück brauchte um diese zu erringen waren sie nicht unverdient.
Die Entwicklung von Walace und einem fitten Ekdal auf der Doppelsechs ist sehr positiv, zudem überrascht Rick van Drongelen als (Not-) Linksverteidiger und Christian Mathenia entwickelt sich zu einem echten Rückhalt. In manchen Phasen meinte ich auch eine spielerische Entwicklung zu sehen, aber um das zu beurteilen ist es mir noch zu früh. Dafür stach gerade gegen Köln die Effektivität heraus als man aus 12 Torschüssen, davon 4-5 Großchancen drei Tore machte. Über die Qualität der Standardsituationen hülle ich besser den Mantel des Schweigens, auch wenn in Köln zwei davon zu Toren führten.

Verlassen kann sich Markus Gisdol aber auf die Einsatzbereitschaft seiner Mannschaft. Läuferisch und kämpferisch war an den zwei Bundesligaspielen nichts auszusetzen und auch in Osnabrück war es wohl eher der Kopf der schwächelte. Genau diese Tugenden verhalfen dem HSV zu der gelungenen Rückrunde und es freut mich, dass sie über den Sommer gerettet werden konnten.

Vergleicht man meinen Eingangssatz mit der letzteren Analyse spielgelt die abnehmende Schärfe die Situation in Hamburg ganz gut wieder. Ich nehme mir als Fan die Freiheit Erfolge zu genießen und Missstände davon in den Hintergrund rücken zu lassen. Doch natürlich ist mir Bewusst, dass die erzielten sechs Punkte als Pfund im Abstiegskampf zu werten sind, was mich zu Anpfiff des Freitagsspiels gegen Leipzig nicht davon abhalten wird „SPITZENREITER, SPITZENREITER, Hey, Hey“ zu grölen.
Man soll die Feste ja feiern wie sie fallen.

In diesem Sinne: NUR DER HSV

PS: Etwas analytischer wird es am Donnerstag im HSVTalk zugehen.

Samstag, 29. Juli 2017

Die müllersche Zwickmühle

Jens Todt macht momentan einen aufgeräumten Eindruck, wenn er sich in Kurzinterviews, wie hier beim NDR zum Stand der Transfers äußert. Mir gefällt, dass er dabei nur das ohnehin Bekannte bestätigt,  ohne weitere Details preiszugeben.
Dabei ist der Manager ob der an ihn gestellten Erwartungen nicht zu beneiden.

Natürlich ist die wichtigste Aufgabe das Zusammenstellen eines schlagkräftigen Kaders.
Dabei gilt es möglichst viele Wünsche des Trainers zu erfüllen. Mit der Verpflichtung von Hahn, Pollersbeck und Papadopoulos, sowie der Vertragsverlängerung von Bobby Wood ist der Sportchef dabei auf einem guten Weg, mit zwei weiteren Defensivakteuren könnte man den Kader als komplett bezeichnen. (siehe dazu auch Kaderplanung)

Anders sieht es bei den Verkäufen aus.
Wie viele seiner Vorgänger hat Todt unter der Last der bestehenden Verträge zu leiden. Einen Lasogga, der seit über einem Jahr kaum eine Rolle spielt zu transferieren ist auf Grund seines Gehalts schlicht unmöglich, selbst ein Transfer mit Abfindung wie bei Nabil Bahoui, dem man ein Drittel seines üppigen Jahresgehalts hinterherwerfen musste damit er geht scheint im Falle des Hoffnungsträgers aD. kaum vorstellbar.
Auch für Holtby und Hunt scheinen die gewünschten Angebote auszubleiben, da die Höhe der Gehälter auch hier mögliche Interessenten abschreckt. Hinzu kommt, dass die beiden „Engländer“ in der vergangenen Saison zum Stamm gehörten und daher auch ersetzt werden müssten.

Noch komplizierter stellt sich der Fall Nicolai Müller dar. Der in zwei Monaten dreißig Jahre alt werdende Angreifer ist einer der wenigen Leistungsträger gewesen und steht daher bei Trainer, Verein und Fans gleichermaßen hoch im Kurs. Komischer Weise ist das auch dem Berater von Müller nicht entgangen und dieser besteht bei einer Verlängerung des in einem Jahr auslaufenden Vertrags auf eine deutliche Erhöhung der Bezüge. Diese kann sich der HSV eigentlich nicht leisten, da auch nicht damit zu rechnen ist für Müller noch eine nennenswerte Ablöse zu erzielen. Andersrum hat der Verein so wenig Leistungsträger, dass man sich den Abgang Müllers nicht vorstellen möchte und ein entsprechender Ersatz nicht günstiger würde. Daher schließt der Verein einen Wechsel aus. Behält man ihn jedoch ein weiteres Jahr geht Müller ablösefrei.

Diese müllersche Zwickmühle verdeutlicht das Problem des HSV.
Das ungeschriebene Gesetz des Transfermarktes bei Spielern vor ihrem letzten Vertragsjahr „Verlängern oder Gehen“ welches auf wirtschaftlicher Vernunft beruht findet beim HSV seit Jahren schon keine Anwendung mehr. Ich möchte in diesem Zusammenhang an Ruud van Nistelroy erinnern, den man in seinem letzten halben Jahr beim HSV hielt, obwohl Real Madrid sehr interessante Angebote machte.
Dabei liegt die Lösung sogar sehr nahe, da man in Bakery Jatta den Nachfolger schon in den eigenen Reihen hat. Selbstverständlich ist mir bewusst, dass Jatta noch Schwächen im taktischen Spiel hat, aber dann müsste um ihn abzusichern ein Diekmeier eben etwas defensiver spielen, was bei der Angriffsstärke des Rechtsverteidigers kein großer Verlust wäre.

Diese Lösung würde mehrere Zeichen setzen:
- Der HSV lässt sich nicht erpressen
- Der HSV versucht sein Gehaltsniveau in den Griff zu bekommen
- Der HSV setzt auf die Jugend

Zeichen auf die ich als Fan schon lange warte. Und ganz nebenbei würde man Eier zeigen, indem man ein Risiko pro Nachwuchs eingeht anstatt den vermeidlich sicheren Weg über die gestandenen Profis zu gehen.
Wenn also Todt den Wechsel von Nicolai Müller so kategorisch ausschließt hoffe ich, dass er dies aus verhandlungstaktischen Gründen tut.
Aber was habe ich in den letzten Jahren nicht alles gehofft…

Samstag, 1. Juli 2017

Warum so skeptisch?

Auf meinen letzten Post Kaderplanung habe ich sehr unterschiedliches Feedback bekommen. Von Zustimmung über Unverständnis bis zum Vorwurf, dass ich durch meine Schreiberei die Arbeit des Vorstands torpedieren würde war alles dabei.
Also letzteres kann ich leicht entkräften, da die Reichweite meines Blogs so gering ist, dass er vom Vorstand des HSV kaum wahrgenommen wird und dessen Handeln schon gar nicht beeinflusst.
Trotzdem möchte ich gerne einmal erläutern, wie ich zu meiner grundskeptischen Haltung gegenüber dem Handeln meines Vereins gekommen bin.

Ja, der HSV ist wie schon seit über 40 Jahren mein Verein und ich wünsche ihm nur das Allerbeste. Ich möchte, dass die besten Spieler der Welt im Volkspark von den besten Trainern unter den besten Bedingungen angeleitet werden und dabei bestmöglich verdienen.
Natürlich bin ich mir voll und ganz im Klaren darüber, dass dieser Wunsch momentan fern ab jeglicher Realität anzusiedeln ist und es viel mehr darum geht den Verein in ruhiges Gewässer zu führen, um wieder die volle Kontrolle über das schlingernde Schiff zurück zu erlangen.
Dies war im Sommer 2013 auch der Grund warum es Otto Rieckhoff so leicht hatte mich in sein Boot zu holen, als er auf der Mitgliederversammlung Veränderungen anmahnte, schließlich hatte ich schon im Vorwege dieser MV auf neue Wege gehofft (Reden ist Silber, Handeln ist Gold), ohne jedoch eine Ausgliederung für möglich zu halten.

Als diese sich dann doch anbahnte war ich Feuer und Flamme für die Ideen und das Konzept, welches von HSVPlus präsentiert wurde. Heute, vier Jahre nach Rieckhoffs Rede und drei Jahre nach der Ausgliederung kann ich gegenüber den Gegnern von damals nur einräumen, dass sie mit ihren Bedenken richtig lagen und dass man bei der Umsetzung der Ausgliederung auf die falschen Personen gesetzt hat.
Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass es dem Verein ohne die Veränderungen von damals eher schlechter als besser gehen würde, aber das ist selbstverständlich nur meine Einschätzung, die nicht zu beweisen ist.

Dietmar Beiersdorfer hat es nie geschafft Klaus Michael Kühne auf Augenhöhe zu begegnen, immer trat er dem Gönner als Bittsteller gegenüber. Dieser untermauerte seine Stellung als Helfer in der Not durch die Art und Weise seiner Unterstützung. Schon bei der ersten Transferoffensive der jungen AG wurden von KMK Gelder in Aussicht gestellt, die aber erst so spät eintrafen, dass der Großteil der Transfers schon getätigt war. Denken wir nur an die Leihe von Lewis Holtby, die sich nach drei (?) Pflichtspieleinsätzen schon zum Kauf optionierte.
Die Gehälter der Neuzugänge hatte der HSV zu erwirtschaften, die Ablösen wurden über Darlehen finanziert, die später zu Anteilen umgewandelt wurden. Beiersdorfer spekulierte auf sofortigen sportlichen Erfolg, um durch die damit verbundenen Mehreinnahmen den eingegangenen Verpflichtungen nachkommen zu können. Durch zweifelhafte Entscheidungen wie zum Beispiel mit Mirko Slomka in die Saison zu gehen gefährdete er den Erfolg zu gleich, das Ergebnis (die erneute Relegation) kennen wir alle.

Im Nachhinein ist man natürlich schlauer und dass Beiersdorfer nach Wissen und Gewissen handelte steht für mich außer Frage und doch hielt er am eingeschlagenen Weg fest, obwohl er doch gelernt haben müsste welch Geistes Kind Herr Kühne ist.
Exemplarisch dafür möchte ich an den Erwerb der Namensrechte für das Stadion durch Kühne erinnern, mit der uns die gleichzeitigen Umwandelungen von Darlehen in Anteile schmackhaft gemacht wurden. Warum nur hat Herr Kühne damals so hart um die Höhe der Anteile gefeilscht und nicht einfach das Geld für die Namensrechte obendrauf gegeben?  Über die Namensrechte für das Stadion hätte man weitere Partner in Boot holen und die Abhängigkeit von KMK reduzieren können, doch das war nicht im Interesse des Gönners.

Durch den ausbleibenden Erfolg waren die hohen Gehälter der von Kühne finanzierten Transfers nicht zu erwirtschaften, hinzu kamen jede Menge Abfindungen für Spieler, Trainer und Manager, die man vom Hof jagte und zu schlechter Letzt auch noch für Beiersdorfer selbst.
In nur zweieinhalb Jahren hat Beiersdorfer den HSV in die totale Abhängigkeit Kühnes geführt.
Natürlich hat er, wie er immer wieder betonte, Prozesse angeschoben und den Verein befriedet, wirtschaftlich gesehen war seine Amtszeit ein Desaster!

Als Heribert Bruchhagen im vergangenen Winter übernahm, war die sportliche Situation des HSV derart kritisch, dass er sich genötigt sah wieder in den Kader investieren zu müssen und diesen mit Papadopoulos, Mavraj und Walace zu verstärken. Mit Geld, das nicht zur Verfügung stand.
Eine unter Berücksichtigung des drohenden Abstiegs nachvollziehbare Entscheidung, doch für die jetzige Transferperiode besteht diese akute Gefahr nicht. Schließlich hat man mit dem bestehenden Kader in der Rückrunde 25 Punkte geholt.
Konnte ich mit den Personalien Papadopoulos und Wood noch gut leben, da diese entscheidend zu Platz 7 der Rückrundentabelle beigetragen haben, fehlt mit jegliches Verständnis für den vierten Torwart und den siebten(!) Mittelstürmer im Kader.

Mit fünf Sätzen in den Medien gelang es Kühne die handelnden Personen derart unter Druck zu setzen, dass diese vom Vorhaben der Konsolidierung abrückten und den Kader aufstockten bevor der Verkauf anderer Spieler eingetütet war.
Wieder einmal werden die Ablösen von Kühne bezahlt, zu Bedingungen, die sich mir nach wie vor nicht komplett erschließen wollen. Verfallen die Darlehen Kühnes wirklich, wenn der HSV nicht in drei der nächsten sechs (jetzt nur noch fünf) Jahren den Europapokal erreicht? Und wie läuft die Rückzahlung wenn dieses unwahrscheinliche Erfolgsszenario eintreffen sollte?
Verzeiht mir bitte, wenn ich nicht mehr an die vorbehaltslose Unterstützung Kühnes glaube.

Da jetzt auch die Gehälter der Neuzugänge von Kühne gezahlt werden, scheinen diese zumindest für dieses Jahr gesichert, aber was ist, wenn zur kommenden Saison Kühne die Nase voll hat und nicht mehr für die laufenden Kosten aufkommen will?
Nein, mir sind das zu viele Fragezeichen. Ich habe mir von Bruchhagen & Co anderes versprochen als die Abhängigkeit vom Gönner weiter voran zu treiben und genau danach sieht es für mich derzeit aus. Auch wenn das Transferfenster noch zwei Monate geöffnet ist.
Natürlich kann man die vergangenen drei Jahre nicht in ein paar Wochen vergessen machen, doch habe ich  auf deutliche Zeichen gehofft, dass man ernsthaft und auch glaubhaft versucht sich von Kühne zu emanzipieren. Nach den Transfers von Pollersbeck und Hahn (ungeachtet der sportlichen Qualität) kann ich nur meine Enttäuschung über das Handeln des Vorstands und das erneute Abnicken des Aufsichtsrats zum Ausdruck bringen.
Ja, das Transferfenster ist noch für zwei Monate geöffnet und vielleicht werden ja auch noch Spieler verkauft, doch wird in dieser Hinsicht bislang wieder einmal auf das Prinzip Hoffnung gesetzt und das kann ich einfach nicht nachvollziehen.

Vielleicht kann ich dem einen oder anderen Leser mit diesen Zeilen meine Haltung näher bringen. Seid gewiss, dass ich mich über jedes Tor, jeden Sieg meines HSV freuen werde, aber das wirtschaftliche Handeln mag ich nicht unkommentiert lassen und so will ich es auch in Zukunft halten.

Nur der HSV!