Mittwoch, 30. März 2016

Vor Hannover

Gestern kursierte eine Aussage von Peter Knäbel im Netz. Im Abendblatt wird er in folgender Weise zitiert:
 "Es ist für uns mit diesem Kader absolut möglich, von den ausstehenden sieben Spielen fünf zu gewinnen. Wir können fast jede Mannschaft in der Liga schlagen und die zwei Ausnahmeteams Bayern und Dortmund zumindest ordentlich fordern"
Im Prinzip hat der Sportdirektor mit dieser Aussage natürlich absolut recht und doch frage ich mich warum er sie getätigt hat.

Die Spiele in Leverkusen und gegen Hoffenheim haben Knäbels These bestätigt, man konnte beim Champions League Anwärter, wie gegen den Abstiegskandidaten mithalten und hätte bei etwas günstigerem Verlauf auch beide Spiele gewinnen können.
Hat man aber nicht.
Zweimal mehr wurde die Chance vertan sich frühzeitig aus dem Abstiegskampf zu verabschieden, die Chance sich eventuell sogar noch einmal nach oben orientieren zu können und es scheint so, als wäre die Vereinsführung darüber wenig amüsiert.

Knäbel betont was mit diesem (seinem) Kader möglich sei, scheint also mit den Voraussetzungen, die er geschaffen hat ganz zufrieden zu sein und man könnte diese Aussage sowohl als Forderungen in Richtung Trainer, als auch als Rechtfertigung auffassen. Vielleicht sollte man sie aber auch nicht zu hoch hängen, mir macht eh viel mehr Sorge, dass der HSV wie kaum ein anderer Verein auch dafür steht gegen jeden Gegner  verlieren zu können.

Ich habe ein mulmiges Gefühl, wenn es jetzt nach Hannover geht, einem Verein, der mit der aktuellen Lage sportlich und vereinspolitisch überfordert zu sein scheint. Die Maßnahmen von Thomas Schaaf sorgen erst Kopfschütteln, um kurz darauf zu verpuffen und beim Testspiel ist es schon eine Meldung wert, wenn er wirklich am Spielfeldrand steht und die Nationalspieler kommen verletzt zurück.
Zusammengefasst ist Hannover bei aller Freundschaft ein Gegner den man nicht nur schlagen kann, sondern ein Gegner den man schlagen muss!
Und wieder einmal wird es spannend sein, wie die Mannschaft damit umgeht, bei den fünf möglichen Siegen hat Peter Knäbel das Spiel gegen 96 ganz bestimmt eingerechnet, aber das wird er mit Hoffenheim auch gemacht haben.

Im aktuellen HSVTalk hatte ich den Abteilungsleiter des Supporters Club Timo Horn zu Gast.
Auch wenn dabei der SC im Mittelpunkt stand, haben wir natürlich auch über das anstehende Spiel geredet. Aber hört selbst.


Dienstag, 15. März 2016

Der fehlende Faden

Was fängt man mit einem 0:1 wie dem von Leverkusen an?
Vor der Saison waren wir uns einig, dass wir in den Regionen in denen der Pillenclub spielt nichts zu suchen haben, Sonntag haben wir gezeigt, dass wir dort zumindest für ein Spiel mithalten können. Ich will nun ganz bestimmt nicht versuchen aus der Niederlage einen Sieg zu konstruieren, doch sollte man bei der Bewertung dieses Spiels den Ball flach halten.
Gleiches gilt bei der Leitung des HSV, obwohl es mir da wesentlich schwerer fällt.

Tanja, mit der ich bei Heimspielen auf der Nord stehe, bringt in ihrem Blogpost Nur Geduld viele Punkte zur Sprache, die man kaum widerlegen kann.
Niemand wird je behaupten, Beiersdorfer hätte ein leichtes Erbe angenommen, als zum Vorstand der HSV-AG wurde und ich bin geneigt ihm zu glauben, dass sich im Sommer 2014 die tatsächliche Lage des HSV wesentlich schlechter dargestellt hat, als er es vor seinem Amtsantritt befürchtete. Doch ist diese Ausgangslage nicht ausschließlich für die momentane Situation des HSV verantwortlich.

Im Sommer 2014 war es zum Beispiel durchaus möglich ein Herunterfahren der Gehaltsstruktur einzuleiten, was aber bei den Verpflichtungen von Lasogga, Holtby usw ausgeblieben ist. Nicht die hohen Ablösesummen sind das Problem des HSV, sondern die Gehälter von Spielern und Funktionären. Kann man auf die Zahlung von Ablöse in den nächsten Transferphasen zumindest theoretisch weitestgehend verzichten, werden sich Gehaltsforderungen immer an dem orientieren, was bislang gezahlt wird. Im Sommer 2014 war es möglich eine Trendwende einzuleiten.

Das Begehen dieser Fehler stört mich dabei gar nicht mal so sehr, kann man diese doch noch mit der kurzen Einarbeitungszeit Beiersdorfers erklären, dass Fehler wiederholt werden ist es was mich so enttäuscht. Die Entscheidung Olic im Winter 14/15 zu holen konnte ich nachvollziehen, auch wenn sie sich letztlich als Fehler erwiesen hat, dafür dass man ein Jahr später ähnliches mit Drmic gemacht hat fehlt mir jegliches Verständnis.
Mir fehlt der rote Faden der Vision, an dem man sich bei Entscheidungen orientieren kann. Wenn ich gerade aus einem auf Fehleinschätzungen beruhenden finanziellen Engpass komme, sollte ich nicht für ein fünfmonatiges Leihgeschäft 2% des Jahresumsatzes ausgeben.
Eine Alternative zur Geduld sehe ich aber bislang noch nicht. Ob mir das gefällt oder nicht.

Das Fehlen dieses nachvollziehbaren, in den Handlungen erkennbaren Leitfadens wird auch immer wieder von einem Teil meiner Gäste im HSVTalk bemängelt. Auch Heiko Kunert hat sich gestern in diese Richtung geäußert. Wobei diese Äußerungen nicht im Mittelpunkt des Talks standen. Dort standen er selbst und seine Erfahrungen als blinder HSV-Fan.
Wer mehr über Heiko erfahren möchte kann dies auf seiner bestimmt barrierefreien Website blindpr.com tun.

Dienstag, 8. März 2016

Nach Hertha

Da war der Befreiungsschlag der Saison, die Dreißigpunktemarke wurde neun Spieltage vor Schluss geknackt und auf dem Feld sah es zeitweise sogar nach Fußball aus.
Nach dem sonntäglichen Kick gegen die Hertha scheint das Mittelfeld der Liga und somit auch das Saisonziel so gut wie erreicht zu sein. Ein Abrutschen in den Abstiegskampf ist, auch wenn das kein Offizieller vor der Kamera sagen wird, unwahrscheinlich.
Ob der gute Auftritt gegen die Hauptstädter (Hamburg ist viel schöner als Berlin) mehr als einer vom Gegner begünstigte Eintagsfliege ist werden die kommenden Spiele in Leverkusen und gegen Hoffenheim zeigen.

Mit einer gelungenen Mischung aus Sicherheit und Vorwärtsdrang wurde das dicke Brett der Berliner Passivität durchbohrt, wobei mir der Auftritt der Gäste ein Rätsel bleibt. Der Auftritt von Ekdal mit seiner Ballsicherheit und Übersicht war durchaus gelungen und das sich Holtby an seiner Seite wohler fühlt, als auf der 10 ist auch kein Geheimnis.
Allerdings war der Druck auf das Aufbauspiel auch nicht so stark und daher bin ich vorsichtig mit meinem Lob. Dieses hat sich Go Sakai, der ein absoluter Aktivposten auf dem Feld war genau wie Doppelpacker Nicolai Müller, dessen Zusammenspiel mit dem Japaner immer besser funktioniert schon heute verdient.
Hervorheben möchte ich auch den oft gescholtenen Ivo Ilicevic, der gezeigt hat woran es Josip Drmic auf „seiner“ Position fehlt. Ich bin gespannt, wie in den letzten Spielen mit der Besetzung dieser Position verfahren wird. Eigentlich wäre es im Niemandsland der Tabelle sinnvoller einen Nabil Bahoui zu integrieren, als auf Spieler zu setzen die den Verein im Sommer verlassen werden.

Durch den relativ sicheren Mittelfeldplatz könnte man die Planungen für die kommende Saison rechtzeitig vorantreiben, wenn man denn finanziellen Handlungsspielraum hätte und danach sieht es momentan leider nicht aus. Im Gegenteil wird heute deutlich wie schlecht es um die Liquidtät des HSV im vergangenen Herbst stand und nur wenig spricht dafür, dass es sich jetzt besser aussieht. Nur duch einen Kredit konnte die Zahlungsfähigkeit gewährleistet werden, als Steuernachzahlungen fällig wurden und Gelder von Imtech ausblieben. (Siehe den Artikel des NDR)

Gerade in diesem Zusammenhang empfinde ich die 2-3 mio €, für die fünfmonatige Leihe von Josip Drmic als absolut fragwürdig. In „Panik am Volkspark“ schrieb ich zu diesem Transfer:
„Im besten Fall schießt uns Drmic also zum Klassenerhalt, hinterlässt dann aber ein Loch auf dem Spielfeld und in der Kasse. Im weniger guten Fall schafft es der Schweizer nicht den HSV zu verstärken und vergrößert nur das Loch in der Kasse.“
Und gerade die Perspektivlosigkeit dieser Leihe für die das letzte Geld zusammengekratzt werden musste ist in meinen Augen so enttäuschend.

Im aktuellen HSVTalk überwog allerdings die Freude über den Auftritt gegen die Hertha und so ein Spiel muss man ja auch einmal genießen dürfen.

Donnerstag, 3. März 2016

Schlecht auf Schalke

Gestern hat man wieder einen Gegner durch gewunken, ihn aufgebaut, man hat es wieder einmal nicht geschafft aus dem Engagement der einzelnen Spieler eine Mannschaftsleistung zu generieren, mit der man ein Fußballspiel gewinnen kann. Wie schon gegen Ingolstadt ging man früh in Führung und schien dann zu erwarten, dass der Gegner so geschockt ist, dass er sich auf den Rücken legt und um Gnade winselt. Nein, dem war nicht so. Weder Sonnabend im Volkspark noch gestern auf Schalke.

Dabei fing das Spiel doch an wie gemalt. Anscheinend rief Aogo "Leo", worauf sich Neustädter duckte und Müller die Möglichkeit gab den eher schwachen Freistoß von Sakai zu erlaufen und den Ball an dem auf der Linie verharrenden Fährmann vorbei ins Netz schieben konnte.
Gegen einen Gegner, der hinter den eigenen Ansprüchen zurück hängt, der gerade einmal zwei Punkte aus den letzten drei Ligaspielen holte und nebenbei sang und klanglos aus der Europa League ausgeschieden ist, sollte man aus so einer Szene doch selbstbewusst und mutig hervorgehen und nicht wie gestern gesehen das Spielen einstellen und hoffen diese Führung irgendwie über die Zeit zu retten.

Man konnte selbst am TV förmlich spüren wie es auf der Tribüne rumorte, wie die Bereitschaft wuchs dem eigenen Team die Meinung zu geigen und der HSV machte daraus… Nichts!
Dabei konnte man doch bei den sporadischen Pressingversuchen sehen, wie wenig dies den Königsblauen lag, doch stand die gesamt Defensive einfach zu schlecht, um die auf Pressing folgenden langen Bälle zu erobern und so stellte man dieses Mittel nach und nach ein.

Dass die Führung über 30 Minuten hielt lag an der Aschlussschwäche der Schalker, einem starken René Adler und daran, dass es Günter Perl gelang bis auf die gelbrote Karte für Djourou wirklich jede strittige Entscheidung falsch zu treffen.
Konnte man vielleicht über die erste gelbe Karte noch diskutieren (vertretbar war sie allemal) gab es an der zweiten nichts zu deuteln. Was auch immer unseren Kapitän, einem der erfahrensten Spieler des Kader, geritten hat gelb vorbelastet so in einen solchen Zweikampf zu gehen kann man nur spekulieren.
Vielleicht hat Djourou gemerkt, dass man so wie das Spiel lief ohne Punkte nach Hause fahren würde und diese Aktion war dann eine Mischung aus Frust und dem Willen daran etwas zu ändern. Auf jeden Fall war sie dumm, was mich in Anlehnung an Marianne Rosenberg zu folgenden Tweet inspirierte.

Nun gibt es Mannschaften, die zu zehnt enger zusammenrücken und aus der Unterzahlsituation scheinbar Kraft ziehen, der HSV war zumindest gestern keine dieser Mannschaften. Letztlich hätte es nachdem den Schalkern auch der zweite Elfmeter verweigert wurde die Unterstützung Perls gebraucht.

Drei Minuten nach dem Tweet war es so weit, doch Perl mochte die Chance auf einen bleibenden Eindruck ebenso wenig nutzen, wie die Schalker ihre Torchancen.
Das tat dann wenig später Huntelaar, natürlich aus Abseitsposition, wobei klar gesagt sein soll, dass die Niederlage des HSV nichts mit der Schiedsrichterleistung zu tun hatte. René Adler brachte das nach dem Spiel zum Ausdruck.

Das 3:2 war am Ende schmeichelhaft und drückte die Überlegenheit des Heimteams nicht einmal im Ansatz aus. Dafür gibt es allerdings die Torschussstatistik (26:8), oder die Passquote. Nur 62% der Pässe kamen an diesem Abend an (Schalke 83%). Dies wirft die Frage auf, ob sich dieser HSV überhaupt entwickelt und wenn ja wohin. Laufen und Kämpfen ist gut und schön, aber wenn fast jeder zweite Pass beim Gegner landet läuft man halt hinterher und kämpft vergebens.

Mir graut ehrlich gesagt schon vor Sonntag, wenn die Hertha zu Gast ist, die sich die Punkte bei uns eigentlich im Abonnement abholt und Stand heute erwarte ich eine klare Niederlage.
Jetzt sind es noch 5 Punkte bis zum Relegationsplatz und das ist die gute Nachricht des Spieltags, die Schlechte ist, dass noch zehn Begegnungen zu spielen sind.

Dienstag, 1. März 2016

Nach dem Schweinespiel ist vor Schalke

Da war es also das Schweinespiel gegen die ekeligen Gegner, das so schön begann um dann doch so schlecht zu werden. Es war halt Ingolstadt und nicht Bayern zu Gast und den Unterschied der beiden Mannschaften sollte Trainern und Spielern auch vor der Begegnung bewusst gewesen sein.
Man hatte Zeit sich darauf einzustellen und Lösungen für die Probleme vor denen einen die Schanzer stellen zu erarbeiten.

Im Stadion war die Hilflosigkeit der HSVer fast greifbar. Nicolai Müller musste zur Halbzeit ausgewechselt werden, nachdem er sich zu Fouls hinreißen ließ und akut gelbrot gefährdet war. Auch Emir Spahic war früh verwarnt und schleppte diese Hypothek mit durch das Spiel. Die Mannschaft versuchte also dagegen zu halten, fand dabei aber oftmals nicht das richtige Maß. Die fahrige, fast unberechenbare Spielleitung von Marco Fritz half den etwas orientierungslos daher kommenden Rothosen auch nicht.

Dabei begann das Spiel so gut, wie es nur beginnen konnte. Im höchsten Tempo wurde sich mit Direktpassspiel auf der rechten Seite durchgesetzt und Josip Drmic konnte erstmals für den HSV einnetzen. Eines der schönsten HSV-Tore der jüngeren Vereinsgeschichte.
Doch das war es schon mit ansehnlichem Fußball, zumindest vom HSV. Wieder einmal schien eine frühe Führung die Mannschaft aus der Bahn zu werfen, fast als würde man erwarten, dass der Gegner nach dem Tor kapitulieren würde zog man sich zurück und stellte das Fußballspielen ein. Dass die Ingolstädter uns diesen Gefallen nicht getan haben fand ich mit ekelig nur unzureichend beschrieben.

Die Audistädter unterbanden das Aufbauspiel konsequent durch frühes Anlaufen und es wurde förmlich sichtbar, dass den Aufbauspielern die nötige Ruhe (und Klasse) am Ball fehlte.
Das ist keine neue Erkenntnis, doch wurde dieser Mangel selten so sichtbar wie am vergangenen Sonnabend.
In den letzten Begegnungen wurde wieder einmal verpasst sich entscheidend von den Abstiegsrängen abzusetzen und beim Blick auf die anstehenden Gegner bis zur Länderspielpause wird klar, dass es dadurch wieder eng werden könnte.

Schalke (A), Hertha(H), Leverkusen(A) und Hoffenheim(H) sind die nächsten Herausforderungen und da wir gegen Hertha und in Leverkusen eigentlich immer schlecht aussehen und Hoffenheim zur Zeit sehr stark in Form ist sollte man die liegengelassenen Punkte wenn möglich auf Schalke holen. Die sind in der momentanen Form schlagbar und stehen vor eigenem Publikum in der Pflicht das Spiel machen zu müssen, was uns liegen sollte.
Ich habe im aktuellen HSVTalk (siehe unten) auf einen2:0 Sieg getippt, weil ich hoffe, dass uns die Symbiose aus dem Herausspielen von Chancen (Frankfurt) und deren Verwertung (Ingolstadt) gelingen wird.


Mittwoch, 24. Februar 2016

Abstiegskampf und Leitbild

Im HSVTalk lade ich mir von Zeit zu Zeit gerne mal Gäste aus anderen Vereinen ein, um zu sehen wie die den HSV einschätzen. In dieser Woche habe ich den Abstiegskampf zum Thema ausgerufen und mir dazu Gäste aus Hoffenheim und Bremen, sowie den Florian vom HFC Falke in die Sendung geholt.
Überrascht war ich wie sicher sich Marco war, dass seine Hoffenheimer bis Ende März die Abstiegsränge verlassen würden. Fünf Spiele hätten die Breisgauer dafür Zeit in denen sie auf Dortmund, Augsburg, Stuttgart, Wolfsburg und den HSV treffen. Laufkundschaft halt.
Für die Bremer steht schon an diesem Wochenende gegen Darmstadt ein kleines, richtungweisendes Endspiel an. Einig war sich die Runde, dass Frankfurt von denen, die noch über dem Strich stehen die schlechtesten Leistungen bietet und dass der HSV in diesem Jahr mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird. Den Talk findet ihr unter diesem Eintrag.

Das Spiel vom letzten Freitag liegt mir hingegen noch schwer auf dem Magen, weil es wieder so ein Satzball war, den man vergeben hat. „In den letzten Jahren hätte man dieses Spiel am Ende verloren“ hört man immer wieder und vielleicht stimmt das ja sogar, doch ist mir das zu wenig, um den Ärger runter zu schlucken.
Einen Gegner der so desolat daher kommt, wie die Eintracht am Freitag muss man einfach schlagen.

Zum Glück gibt es ja schon am Sonnabend gegen Ingolstadt den nächsten Satzball. Ein Gegner dessen Spielweise uns überhaupt nicht liegen dürfte. Allerdings bietet diese Begegnung auch die Möglichkeit eine Entwicklung im Spiel zu zeigen. Damit meine ich nicht, dass man die Audistädter auseinander nehmen muss, sondern dass man sich wenige, dafür klare Chancen erarbeitet und diese auch nutzt. Und das ohne dabei hinten zu offen zu werden. Man könnte dies eine Reifeprüfung nennen.
Ein fußballerisches Spektakel wird es wohl kaum geben.

Auch das neue Leitbild des HSV kommt wenig spektakulär daher, was natürlich zu Kritik wegen Kosten und Erstellungszeit nach sich zieht. Das Leitbild selbst ist mehr eine Zielsetzung als ein Selbstverständnis und an der Umsetzung dieser Ziele wird sich irgendwann die Vereinsführung bzw die der AG messen lassen müssen. Wann immer das auch sein mag.
Jetzt bei jeder Entscheidung zu prüfen ob und wie sehr diese in das Leitbild passt könnte sich zum Running Gag entwickeln, ist aber wenig zielführend. Ein Martin Harnik könnte zum Beispiel unter gewissen Umständen Sinn machen, auch wenn er schon das biblische Alter von 29 erreicht hat.
Trotzdem ist es wichtig und auch richtig sich zur Jugendarbeit zu bekennen. Es ist richtig die Rückkehr in die Top-5 der Liga bei gleichzeitiger Gesundung der Finanzen anzustreben.
Ob, wann und in wie weit dieses Ziele zu erreichen sind wird man sehen.


Dienstag, 16. Februar 2016

Bilanz und Heimsieg

Ich muss zugeben, dass ich angesichts der ersten Bilanz der HSV-AG nicht so schockiert bin wie ich es auf Grund der nackten Zahlen eigentlich sein sollte. Man kann die Zahlen drehen und wenden wie man will, so richtig positiv wollen sie nicht rüberkommen.
Finanzbericht und Bilanz lesen sich erwartet schlecht. Man erwartet, dass die Umsätze zurückgehen, liest wie unattraktiv der HSV mittlerweile für Investoren und Sponsoren ist, wie Gehälter steigen und die Verschuldung trotz der Verkäufe von Anteilen nur geringfügig sinkt.
Das Jahr eins nach der Ausgliederung war (nicht nur) aus finanzieller Sicht ein Schlag ins Wasser. Um jetzt genau beurteilen zu können wer zu wie viel Prozent Schuld an diesem Ergebnis ist fehlt mir die Kompetenz und auch die Zeit. Sicher ist aber, dass es den einen Schuldigen wie fast immer nicht gibt.

Auch ich bin, als ich einst HSVPlus die Stimme gab davon ausgegangen, dass es über maßvolles Haushalten und der Einbeziehung von strategischen Partnern zu einer zügigen Verbesserung der wirtschaftlichen Situation kommen würde, zumindest aber hätte ich das erzielte Rekordminus nicht für möglich gehalten.
Jetzt hören und lesen wir viel von Sonderabschreibungen, Umstrukturierungen und Investitionen in die Zukunft und all diese Punkte werden auch zu recht angeführt. Wenn Spielerverträge auslaufen verfallen die buchhalterischen Werte eben. Mit van der Vaart (3,0), Westermann (1,5), Jansen (2,0*), Rajkovic (1,0), Jiracek (1,5), Beister (1,5) und Sobiech (0,9) kommt da schon 11,4 mio Euro zusammen. Auch der Auf- und Umbau von Nachwuchs-, Scouting- und medizinischer Abteilung kostet Geld, wahrscheinlich sogar mehr als erwartet.
*Bei Jansen habe ich den letzten Marktwert bei Transfermarkt.de halbiert

Sicher ist aber auch, dass die HSV-AG in ihrem ersten Jahr über ihre Verhältnisse gelebt hat. Sicher ist auch, dass die Marketingabteilung nebst Aufsichtsrat die vollmundigen Versprechen in Sachen strategischer Partner in keinster Weise halten konnte. Auf der einen Seite gab man also in etwa das mehr aus, was man auf der anderen Seite weniger eingenommen hat.
Das zu einem nicht unwesentlichen Teil selbstverschuldete sportliche Abschneiden (Slomka/Knäbel/Tuchel) führte zu einem weiteren Wertverlust der Marke HSV und natürlich auch zu verminderten Einnahmen bei Fernseh- und Sponsorengeldern.

Beim Anteilverkauf ist mir bis heute noch nicht klar, warum Herr Kühne, dem ich das Fansein nicht absprechen will, so hart verhandelt hat. Eigentlich kann es dem Fan doch egal sein, ob er ein Prozent mehr oder weniger an „seinem“ HSV hält. Auch liest man heute, dass man sich aus dem Namensverkauf des Stadions mehr erhofft hatte. Ich vertrete sogar die Meinung, dass man den Namen nie an Herrn Kühne hätte verkaufen dürfen, da man dafür auch anderswo gutes Geld bekommen hätte. Aber was weiß denn ich schon…

Jetzt gilt es also den Turnaround zu schaffen und innerhalb von zwei Jahren das Ergebnis des HSV auszugleichen (Anspruch Wettstein). Dabei kann man noch 10,15% Anteile verkaufen, ohne die Mitglieder um Erlaubnis fragen zu müssen. Nach dem letzten Kurs könnte man damit ca 28 Mio Euro erzielen. Entscheidender wird aber die Verwendung des Geldes sein. Stopft man Löcher oder tilgt man Schulden damit?
Das diese 10,15% in den kommenden zwei Jahren verkauft werden steht für mich fest.

Sollte frisches Geld fließen, könnte man damit die Fananleihe zurückzahlen, die ja im kommenden Jahr fällig wird, allerdings halte ich es für viel wahrscheinlicher, dass man versuchen wird die Anleihe zu verlängern, was bei 6% Zinsen auch für die Anleger Sinn machen würde.
Auch würde mich interessieren, ob und zu welchen Bedingungen die HSV-AG ihre Anteile zurück erwerben kann, wenn denn irgendwann mal strategische Partner gefunden werden sollten.

Ungeachtet aller Fakten und Enttäuschungen habe ich komischer Weise auch heute noch ein besseres Gefühl, als noch vor 2 Jahren. Ich glaube, dass es gelingen kann den HSV zu sanieren, wenn man (auch mit Verspätung) jetzt konsequent daran arbeitet. Allerdings sollte man nicht davon ausgehen, dass es in absehbarer Zeit zu nennenswerten sportlichen Erfolgen kommt, denn der Abstand zu den vorderen Plätzen der Liga ist zu groß geworden. Darüber kann auch ein 3:2 gegen Gladbach (über das im aktuellen HSVTalk berichtet wird) nicht hinweg täuschen.