Sonntag, 25. Juni 2017

Kaderplanung

Wenn es im vergangenen Halbjahr einen MVP beim HSV gegeben hätte, würde dieser unter Garantie Kyriakos Papadopoulos heißen. Ihm zu Ehren spielte man vor den Heimspielen einen Syrtaki ein und die Fans klatschten und hüpften dazu im Takt. Auch auf dem Platz stieg der Grieche von Null auf Hundert zum Leader auf, hielt Ansprachen im Mannschaftskreis vor und nach den Spielen und setzte mit seinem Einsatz auf dem Feld Zeichen.
Bei Bobby Wood verhält es sich ganz ähnlich. Der Amerikaner hat eine Zielstrebigkeit und Abschlussstärke, die man im Volkspark zumindest auf Seiten der Rothosen schon lange nicht mehr gesehen hat und Bobby kann noch besser werden, wenn er lernt sich besser im Kombinationsspiel einzubringen und unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wer will es also den handelnden Personen beim HSV verdenken, wenn sie sich weit aus dem Fenster lehnen, um Papa endgültig zu verpflichten und Wood längerfristig an den Verein zu binden?

Natürlich hat Qualität ihren Preis. Da aber die Ablöse für Papa von Herrn Kühne übernommen wird und die Rückzahlungsregularien für das erneute Darlehen mir nicht bekannt sind soll diese hier keine große Rolle spielen. Fakt ist jedoch, dass Papadopoulos in seiner Karriere sehr oft (auch schwer) verletzt war. Auch hat es meines Wissens nach auf dem Transfermarkt keine großen Rangeleien um ihn gegeben. Fakt ist auch, dass man einen Spieler von Papas Qualität ohne dieses Aber nicht zum HSV hätte lotsen können.
Es ist ein Riskotransfer, der aus sportlicher und teamtaktischer Sicht aber Sinn machen kann.
Das Risiko bei Wood besteht darin, dass viele Spieler beim HSV leistungsmäßig stagniert sind und Bobby nach seiner Vertragsverlängerung zu einem Spitzenverdiener im Kader aufsteigt und ein Gehalt beziehen wird in das er sich noch hinein entwickeln muss.

Was bedeuten diese beiden Personalien aber für die weitere Kaderplanung?
Die Innenverteidigung wurde im Winter relativ gehaltsneutral von Spahic/Djourou zu Mavraj/Papa umgebaut. Dabei verursachte das halbe Jahr in dem man alle vier IVs bezahlen musste Mehrkosten von 2 – 2,5 Millionen Euro, die zur neuen Saison wegfallen. Als Backup steht nur Jung im Kader, Ekdal und Sakai in der Innenverteidigung sind absolute Notlösungen.
Weitere Einsparungen wie von Christian hier zusammengefasst bestehen durch die Abgänge von Adler und Ostrzolek, wobei nicht geklärt ist in wie weit man die diese ersetzen will.

In Hamburg war es jahrelang schlechte Sitte, dass man Felle von Tieren verkauft hat, die man noch nicht erlegt hatte. Man ging immer davon aus, diesen oder jenen Spieler noch abgeben zu können, verpflichtete deren Nachfolger und blieb auf den Vorgängern sitzen.
Das kann man sich momentan nicht mehr leisten!
Wenn ich also lese, dass man ja Lasogga, Hunt, Holtby abgeben könnte um die Lücke im Gehaltsetat, die nach Christians Rechnung noch ca 3 Millionen Euro beträgt zu schließen rollen sich mir die Fußnägel hoch, da es für diese Spieler auf Grund ihrer hohen (überhöhten) Bezüge schlicht und einfach keinen Markt gibt.
Wenn ich lese, dass man einen Pollersbeck verpflichten will, weil Mathenia und Mickel den Ansprüchen nicht genügen frage ich mich, ob man denn partout nichts aus den Fehlern vergangener Tage lernen will und was außer dem Klassenerhalt der Anspruch des HSV sein kann.

Natürlich ist es schwer die beiersdorfersche Misswirtschaft innerhalb einer Transferperiode gerade zu rücken und eigentlich ist es nur möglich in dem man sich sportlich verbessert, aber das man sportlichen Erfolg (zumindest in Hamburg) nicht kaufen kann und wohin es führt wenn man das mit fremden Mitteln versucht sehen wir doch, wenn zur Erlangung der Lizenz Anteile verkauft werden müssen.

Die Alternative zur Personalie Wood wäre ein Verkauf für die festgeschriebene Ablöse von 12 Millionen Euro gewesen und auf Gregoritsch als seinen Nachfolger zu setzen. Mit Waldschmidt hätte man einen entwicklungsfähigen  Nachwuchsstürmer auf der Payroll, Lasogga und Schipplock sind die Notlösungen. Fiete Arp sollte man versuchen in diesem Jahr an den Kader heran zu führen, um ihn im Sommer 2018 einbauen zu können. Selbstverständlich wäre auch das ein Weg mit Risiko gewesen.
Bei Padopoulos liegt der Fall auf Grund seiner herausragenden Stellung auf dem Platz anders und die Verpflichtung sehe ich fast als ein Muss an. Auch wenn das Risiko auf Grund der Verletzungsanfälligkeit sehr hoch ist.

Für die Alternative ist es jetzt zu spät, genau wie es für eine abschließende Beurteilung der Transfertätigkeiten noch zu früh ist. Stand heute hat man den Kader der in der Rückrunde 25 Punkte holte bis auf Adler und Ostrzolek zusammengehalten und dabei im Vergleich zum Vorjahr ca 5 Millionen Euro an Gehalt eingespart, dafür aber 6 Millionen Euro (plus eventueller Nachzahlungen) für Papa ausgegeben, die wie oben erwähnt aber wohl durch Kühne finanziert werden.
Das ist noch nicht das wo man hin müsste, aber eben auch kein Harakiri.
Der Spielraum für weitere Transfers ist aber nur gegeben, wenn man Kühne davon überzeugen kann auch Gehälter zu übernehmen, bzw. Geld nicht zweckgebunden zur Verfügung zu stellen.
Ehrlich gesagt begeistert mich diese Aussicht wenig, aber danach fragt ja auch keiner.

Über die Kaderplanung mit Kühne habe ich mich auch mit Daniel Jovanov im HSVTalk unterhalten.




Samstag, 10. Juni 2017

Einzug der Vernunft?

Seit mehreren Jahren (sch)reibe ich meine Meinung über den HSV denjenigen unter  die Nase, die so leichtsinnig sind auf HSVSpox, die Zwergenwerke oder den HSVTalk zu klicken, wobei ich bei letzterem doch mehr Wert auf die Meinung anderer gelegt habe. Auch jetzt juckt es bei vielen Meldungen über, oder um den HSV herum aufzuschreien, oder wie es meiner Art eher entspricht zu versuchen die Dinge einzuordnen und aus der persönlichen Sichtweise wiederzugeben. Manchmal (so auch heute) gebe ich diesem Jucken nach.

Mehr und mehr Menschen, die es mit meinem Verein halten sind zu der Erkenntnis gekommen, dass es so nicht weiter gehen kann. Der von Beiersdorfer & Co KG eingeschlagene Weg den Verein durch sportlichen Erfolg zu sanieren, den man teuer erkauft ist grandios gescheitert. Die HSV-AG hängt am Tropf eines externen Gönners, der immer wieder mit sich selbst zu ringen scheint, ob er denn mehr Fan oder Geschäftsmann ist, ob er sich (auch über dritte) ins operative Geschäft einmischen soll, oder eben nicht.
Mittlerweile sollte auch dem letzten Kühnekritiker klar geworden sein, dass es sich bei dem kantigen Achtzigjährigen nicht um einen Investor handelt, der einen Gewinn aus seinem Engagement ziehen will, sondern um einen Fan, der zu seinen Lebzeiten den Verein zu alter Stärke erblühen lassen will, der aber auch schmerzvoll lernen musste, dass sich dieses Ziel nicht einfach durch das Verabreichen von ein paar Finanzspritzen erreichen lässt.

Weder die Einflussnahme von innen (Hilke, Gernandt) noch die Beratung von außen (Callmund, Struth) führte zum Erfolg, nein es stellt sich sogar die Frage und ich denke diese stellt sich Herr Kühne auch, ob der HSV ohne sein Engagement nicht sogar besser dastehen könnte, als es momentan der Fall ist.
Und trotzdem, fast trotzig, kündigt KMK an, sich auch weiterhin finanziell engagieren zu wollen.
Er scheint zu denken, dass er, wie am Roulette-Tisch, nur lange genug auf eine Farbe setzen muss, damit diese dann auch erscheint. Auf eine Rückgewinnung seines verlorenen (Spiel-) Kapitals ist er ja nicht angewiesen.

Für den HSV bedeutet dies Glück im Unglück, hat er in Kühne einen, wenn auch unbequemen, so doch zuverlässigen Partner an seiner Seite. Allerdings erwartete dieser Partner auch immer ein Mitziehen des Vereins. Stellte Kühne die Ablöse für einen Transfer zur Verfügung erwartete er (nachvollziehbar), dass die Gehaltszahlungen von Vereinsseite zu erfolgen wären.
Zu dieser Quid-pro-quo-Haltung ist der HSV trotz, oder durch die Kühnebeteiligungen nicht mehr in der Lage.

Seit Jahren verlassen die teuren, gestandenen Spieler, die Leistungsträger von gestern den Verein bestenfalls ablösefrei, die talentierten Leistungsträger von morgen werden hingegen verkauft um die Löcher im Etat zu stopfen, oder abgegeben, da man das Potential nicht erkannte, oder nicht zum Tragen bringen konnte.
Dieses Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben könnten nur durch sportlichen Erfolg kompensiert werden, der allerdings seit Ewigkeiten auf sich warten lässt.
Beiersdorfer -um den Faden wieder aufzunehmen- hat bestimmt einiges zur Befriedung des Vereins geleistet und wenn er von „angeschobenen Projekten“ spricht mag er den Campus (besser Alexander Otto Akademie) und Teilerfolge im Jugendbereich meinen, den Kosten-Nutzen-Faktor des Profikaders hat er jedoch komplett aus den Augen verloren.

Heribert Bruchhagen und Jens Todt fällt eigentlich die Aufgabe zu diese Schieflage wieder gerade zu rücken und doch bedarf es das energische Einschreiten eines Andreas Peters im Aufsichtsrat, um dieses Vorhaben anzugehen. Dabei sollte doch jedem klar geworden sein, dass nur ein Maßhalten dem HSV irgendwann in ferner Zukunft wieder das Heft des Handelns in die Hand geben kann.
Die Initiative von Peters und seinen Mitstreitern ist in meinen Augen alternativlos und sollte von Mitgliedern und Fans entsprechend unterstützt werden. Vielleicht gelingt es dann ja sogar einen Herrn Kühne zum nachhaltigen Investieren zu bewegen.

Sonntag, 21. Mai 2017

Tick Tack

Vorab als Info an die, die sich Sorgen machen, dass ich mich bei diesem schönen Wetter verkrieche um über den HSV zu schreiben: Ich sitze auf der Terrasse und genieße Familie, Wetter und die Sommerpause in der Bundesliga, nachdem ich den gestrigen Abend mit tollen (Fußball) Menschen aus mehreren Vereinen verleben durfte.

Einmal mehr war ich gestern total erschlagen, als in der 88. Minute der Siegtreffer (und natürlich nicht der Ausgleich, danke Tanja und Kai) fiel und kurz darauf abgepfiffen wurde. Dem Jubel und dem Herausschreien der Erleichterung folgten einige Minuten der Erschöpfung, des Kopfschüttelns und des Begreifens, dass auch diese Saison ihr Ende gefunden hat.
Vorausgegangen ist ein Spiel, das als Spiegelbild der Saison herhalten konnte. Das erste Drittel des Spiels wurde vom Gegner dominiert, der technisch, läuferisch und auch kämpferisch derartig überlegen war, dass ich mich schon fragte, ob ich mir die Relegation denn im Stadion antun sollte.
Man merkte auch auf der Nordtribüne, wie es jedem einzelnen schwer und immer schwerer gefallen ist den HSV zu unterstützen. Das Herz wollte, doch das was die Augen zu sehen bekamen blockierte Stimme und Hände, blockierte den Support.

Dann aus dem absoluten Nichts, natürlich auf Grund eines Fehlers im Wolfsburger Aufbauspiel fiel der Ausgleich und der Glaube, dass wir die Klasse halten weil „ist eben so“ kam zurück und im gleichen Maße nahm die Überlegenheit des Gegners ab, der zwar immer noch das bessere Team war, aber halt nicht ganz so überlegen wie zu Beginn des Spiels. Gegen Ende kam es wie so oft in engen Situationen des Sports auf den Willen, die Entschlossenheit an und zu wessen Gunsten dieses Pendel letztlich ausschlug kann man am Endergebnis ablesen.
Ich war auf Schalke im Gästeblock, als Lasogga getroffen hat und jetzt beim Tor von Waldschmidt auf der Nord und ich kann nur sagen, dass die Emotionen, die dort frei wurden jeden Platzsturm dieser Welt rechtfertigten, zumal wenn dieser so friedlich und authentisch wie gestern abläuft.



Wer mich kennt, liest und hört weiß, dass mir die Versäumnisse der letzen Jahre durchaus bewusst sind und sich meine Hoffnung, dass der Verein aus den Fehlern der Vergangenheit lernt auf ein Minimum reduziert haben, auch stimme ich der These zu, dass der HSV den Abstieg längst verdient hat, doch ich bin auch der Meinung, dass wir der (ersten) Liga wesentlich mehr zu geben haben, als so manch ein anderer Verein.
Das mag man mir als Arroganz auslegen, ist aber nichts desto trotz meine Meinung.
In diesem Sinne

Nur der HSV!

Samstag, 15. April 2017

Neulich, vor zwei Jahren

Genau zwei Jahre ist es her, dass der HSV in höchster Not Bruno Labbadia als Trainer verpflichtet hat, nachdem die Experimente mit Joe Zinnbauer und Peter Knäbel gescheitert waren.
Auf Platz 18 hat Labbadia den HSV damals vorgefunden, von einem Mannschaftsgefüge konnte nicht die Rede sein dafür hat nicht zuletzt Interimstrainer Knäbel mit seinen unmöglichen Aussagen nach den Spielen gesorgt.

Keinen Pfifferling hätte ich seiner Zeit auf den Klassenerhalt gesetzt, doch Labbadia erreichte die Spieler und schaffte es eine Zweckgemeinschaft auf Zeit zu formen. Das Happy End in Karlsruhe muss ich hier nicht schildern, denn daran hat wohl jeder HSV-Fan  seine ganz persönliche Erinnerung.

Tomorrow my friend, tomorrow geht es wie im ersten Spiel unter Bruno nach Brähmen, natürlich unter wesentlich besseren, da entspannteren Vorzeichen. Ein Derbysieg käme fast schon dem Klassenerhalt gleich und selbst bei einer Niederlage –also nicht, dass ich daran einen Gedanken verschwenden würde- hielte sich der tabellarische Schaden in Grenzen.
Daran, dass wir am Ostersonntag dieses  Derby und nicht irgendein Stadtderby spielen dürfen hat Bruno Labbadia einen großen Anteil und auch wenn sein Abschied vor einem halben Jahr folgerichtig und notwendig war, hat sich Labbadia einen Platz im Vereinsolymp und in meinem Herzen verdient.

Ich schreibe diese Zeilen auf Grund einer abfälligen Bemerkung über Labbadia die ich auf Facebook gefunden habe und möchte bei allen HSV-Fans etwas Bodenhaftung einfordern.
Lasst uns nicht wieder den Fehler begehen zu vergessen wo wir herkommen und dass wir uns noch lange nicht wieder zurücklehnen dürfen.
Die neue Vereinsführung lebt dieses neue Selbstverständnis nahezu perfekt vor und ich gehe ihren Weg zu hundert Prozent geerdet mit. Ohne allerdings dabei die Helden von vor zwei Jahren zu vergessen…

Auf zum Derbysieg
Nur der HSV

Samstag, 19. November 2016

Hilke und der HSV

Zwischen den Schlagzeilen „Der Hilkeabgang stürzt den HSV endgültig ins Chaos“ und „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ ist viel Interpretationsspielraum und diesen will ich hier -natürlich absolut subjektiv- nutzen.
Ich würde lügen, wenn ich schreibe, dass ich die Entscheidung Hilkes den HSV zum Jahresende zu verlassen bedauern würde.
Im Gegenteil. Ich halte Joachim Hilke für einen der Architekten des Chaos, das im HSV herrscht.

Vorab möchte ich klarstellen, dass ich mir nicht anmaße die eigentliche Arbeit Hilkes als Marketingchef und später als Marketingvorstand zu bewerten, schließlich muss man sehen, dass der HSV trotz der anhaltenden sportlichen Talfahrt zumindest in Sachen Umsatz noch zu den Schwergewichten im deutschen Fußball gehört. Die einen sagen wegen, die anderen trotz Hilke.
Auf hsv.de bewertet Aufsichtsratschef Karl Gernandt die Arbeit so:
„Unter Joachim Hilke haben wir den kommerziellen Bereich im HSV neu aufgestellt und es sind wichtige Projekte auf den Weg gebracht worden. Hierzu zählen insbesondere die HSV Campus-Entwicklung am Volkspark, die Einführung neuer profitabler Geschäftsfelder sowie die Internationalisierungsstrategie, die bereits mit interessanten Abschlüssen umgesetzt werden konnte.“
Dies mag jeder so beurteilen wie er will.

Dass Fly Emirates nach wie vor der Trikotsponsor des HSV ist mag auch am Standort Hamburg liegen, betrachtet man das weitere Engagement der Airline, darf man dies aber auch nicht als Selbstverständlichkeit betrachten und Joachim Hilke wird seinen Anteil daran haben.
Sonst bleibt von Hilke der bei den Fans auch heute noch umstrittene Wechsel des Bierpartners von Holsten zu König Pilsener (Carlsberg zu Bittburger Brauerei) in Erinnerung, was für viele ein Sinnbild des Wechsels von Traditions- zu Profitdenken war bzw. ist.
Ich hatte vor eineinhalb Jahren auf einem Fanclubtreffen (auf der auch folgendes Foto entstanden ist) die Möglichkeit mir diese Entscheidung von Joachim Hilke erklären zu lassen und kann nur sagen, dass sie –so wie es Hilke darstellte- für mich absolut nachvollziehbar ist.



Halten wir also fest, dass es für das Wirken eines Marketingchefs bestimmt leichtere Zeiten hätte geben könnte, als sie Hilke vorgefunden hat, was uns zur Frage führt, wie weit er diese mitverschuldet hat.
Dies führt mich in den Sommer 2012 zurück, als Frank Arnesen den Abgang von Guerrero, Petric und Co aus Geldmangel mit den Chelsea-Boys kompensieren musste und gegen seinen Willen mit Rafael van der Vaart einen Spieler in den Kader bekam, der nach den mäßig erfolgreichen Stationen Madrid und Tottenham von Klaus Michael Kühne per Darlehen finanziert zum HSV zurück geholt wurde.
Eine Entscheidung, die nicht nur Arnesen demontierte und seinen Abgang zur Folge hatte, sondern die auch die Stellung des Geldes über die des sportlichen Sachverstandes stellte und so zur Spaltung des Vereins beitrug.
Damals hat Joachim Hilke die Verhandlungen für den HSV (für Kühne) geführt.
Nach der Ausgliederung des Vereins im Jahr 2014 wurde Hilke nicht entlassen, sondern vom Aufsichtsrat (Vorsitz Gernandt)  in den Vorstand berufen. Hier einen Zusammenhang zu sehen ist wohl mehr als eine Verschwörungstheorie.

Klarstellen möchte ich jedoch, dass ich Joachim Hilke nicht unterstelle andere, oder eigene Interessen über die des HSV gestellt zu haben, nur hat er halt auf das falsche Pferd gesetzt und dadurch Spaltung und Misstrauen im Verein gefördert.
An anderer Stelle wäre er dafür jedoch beurlaubt und nicht befördert worden.

Lassen wir also die Vergangenheit hinter uns und wenden uns der Zukunft zu.
Hilkes Abgang macht einen Platz im Vorstand frei und kann so zur dringend notwendigen Umstrukturierung beitragen.
Meiner Meinung nach muss man den gesamten Vorstand austauschen, wobei ich mit einem Verbleib von Frank Wettstein, dessen Arbeit ich absolut nicht beurteilen kann durchaus leben könnte. Dabei sollte der neue Sportchef, so er denn jemals gefunden wird, einen Vorstandsposten bekommen, um seine Position zu stärken.
Natürlich muss auch der Posten des Vorstandsvorsitzenden neu besetzt werden!
Mehr gescheitert als Dietmar Beiersdorfer geht ja nun mal nicht. Auf eine Begründung dieser These verzichte ich auf Grund ihrer Offensichtlichkeit.

Das eigentliche Dilemma bei der Umstrukturierung des Vorstandes ist jedoch, dass diese vom ebenfalls stak angezählten Aufsichtsrat durchgeführt werden muss. Dabei ist vor allem die Rolle von Karl Gernandt zu hinterfragen, denn der neue Vorstand muss sich klar und deutlich von Klaus Michael Kühne distanzieren, um die eigene Entscheidungshoheit unter Beweis zu stellen.
Es braucht starke Persönlichkeiten im Vorstand, die ein Konzept erstellen und dieses konsequent verfolgen, selbst wenn dieses den Abstieg in dieser Saison zur Folge hätte.
Nein, ich glaube nicht an die heilende Wirkung eines Abstiegs, kenne aber die Auswirkung von konzeptionslosem Aktionismus.

Also ist die entscheidende Frage, ob der Aufsichtsrat ungeachtet der eigenen Zukunft nach den bestmöglichen Personen für den Vorstand Ausschau hält.
Sollte dies nicht der Fall sein muss Jens Meier als Vertreter des Vereins und somit der Aktienmehrheit im Aufsichtsrat handeln. Bleibt dieses Handeln aus sind wir Mitglieder gefragt, wobei unser Handeln schon zu spät erfolgen könnte, denn diese Umstrukturierung des Vorstandes scheint die letzte Patrone im Magazin des HSV zu sein.

Trotzdem und gerade jetzt: Nur der HSV

Montag, 24. Oktober 2016

Gastbeitrag: Der haltlose Sportverein

Nils Husmann (Twitter @husmannismus), Schleswig-Holsteiner HSV-Fan im hessischen Exil brauchte einen Ort um sich seinen Frust von der Leber schreiben zu können. 
Hier ist sein haltloser Sportverein.

Der HSV steckt fest in der Erlöserfalle – und hat dadurch jede Stabilität verloren
HSV-Stürmer Bobby Wood stand nach dem 0:3 gegen Eintracht Frankfurt sichtlich verunsichert auf dem Rasen, als sein Landsmann Timothy Chandler auf ihn zuging und ihm Mut zusprach. Derweil legte Eintracht-Trainer Niko Kovac am Spielfeldrand den Arm um einen HSV-Verantwortlichen und redete auf ihn ein.
Beide Szenen hatten Symbolcharakter. Der HSV hat den Halt verloren und ist bedürftig nach Zuspruch: zwei Punkte nach acht Spieltagen, kaum Torabschlüsse. Der haltlose Sportverein.
Aber woran liegt es, dass dieser Klub immer wieder ins Bodenlose stürzt und die vielen HSVerinnen und HSVer zur Zielscheibe von Hohn und Spott werden lässt?
Der HSV ist in eine Erlöserfalle gelaufen. Nicht erst gestern, nein, er steckt seit Jahren darin fest. Und diese Erlöserfalle macht es unmöglich, konzeptionell, geduldig und selbstbewusst zu arbeiten, weil Erlösung Erwartungen schürt, die dann immer wieder enttäuscht werden und immer neue Unruhe verursachen. Die Bürde, ein Traditionsverein und der „Dino“ zu sein, der noch nie abgestiegen ist, hat den Weg in die Falle bereitet, in die viele Verantwortliche und auch das so genannte Umfeld – viele Fans, einige Medienvertreter – immer wieder gerannt sind.
Warum ist das so? Tradition kann träge und selbstzufrieden machen; Tradition suggeriert, aus sich heraus groß zu sein und in Krisen nur irgendwie wachgeküsst werden zu müssen, damit der verlorene Glanz zurückkehrt. Aber das ist falsch. Ohne harte, konzeptionelle Arbeit glänzt im Profifußball heute niemand mehr.

Wann schnappte die Erlöserfalle zu? Als der frühere Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann 2010, vor über sechs Jahren, das Investorenmodell „Anstoß hoch drei“ vorstellte, tauchte erstmals der Milliardär Klaus-Michael Kühne auf der HSV-Bühne auf. Hoffmann pries das Modell – Kühne gab Geld, der HSV trat einige Transferrechte ab – als „Sechser im Lotto“. Ein klassisches Erlösungsmotiv: Da ist ein Gönner, der Geld gibt, und dann kommt der Erfolg zurück! Interessanterweise argumentierte Kühne seinerzeit selbst, der HSV brauche Konstanz (http://www.zeit.de/sport/2010-08/hsv-kuehne-investorenmodell-siegenthaler). Aber das Gegenteil trat ein. Der Verein kam ins Schlingern, verlor den Halt und hat seitdem nie mehr zurückgefunden zu einer Identität, die für jeden erkennbar wäre.
Einzige Konstante ist seither eben jene Erlösersucht, die den HSV immer instabiler werden ließ. Einige Beispiele:
·       Vereinsinterne Wahlkämpfe um den Aufsichtsrat mit dem Tenor: Liebe Mitglieder, wählt uns, wir bringen Stabilität und Erfolg zurück, wir kennen das Rezept! Das hörten viele Mitglieder – verständlicherweise – gern, übersahen dabei aber die mangelnde Qualifikation vieler Räte. Die Sehnsucht, dass per Wahl nun endlich wieder alles besser werden möge, brachte zudem manchen HSVer ins Amt, dem es eher um Eitelkeiten oder persönliche Abrechnungen ging – und weniger um kompetenten Ratschluss bei der Entwicklung einer Strategie.
·       Frank Arnesen: Der Mann mit dem dicksten Adressbuch in Europa muss doch den Erfolg zurückbringen! Er erbte allerdings auch einen finanziell extrem eingeschränkten Spielraum.
·       Rafael van der Vaart: Mit ihm muss doch der alte Glanz zurückkehren! In Wahrheit band der Transfer Mittel, die andere Klubs längst in intelligente Nachwuchskonzepte oder verbessertes Scouting investierten, und ermöglichte Kühne – übrigens noch zu e.V.-Zeiten! – einen ungeheuren Einfluss. Kühne wurde, ob er das wollte oder nicht, zum steten Quell der Unruhe. Und er polarisierte.
·       HSVPlus, die Ausgliederung und die Rückkehr von Dietmar Beiersdorfer: Schaffen wir zeitgenmäße Strukturen, dann wird der HSV endlich wieder zukunftsfähig! Und Didi kann es doch, das hat er bewiesen! Auch ich habe mich vehement für das Konzept eingesetzt. Aber spätestens dieser Tage wird klar: Erfolg stellt sich nicht ein, indem man auf den Knopf eines Abstimmungsgerätes drückt. Die Möglichkeiten, die durch die Ausgliederung eröffnet wurden, hat der HSV nie auch nur annähernd ausgeschöpft. Auch weil man…
·       der Erlösungsstrahlkraft des schnellen Mammons nicht widerstehen konnte. Vor der laufenden der Saison 2016/17 investierte der HSV, wieder mit Kühnes Hilfe, über 30 Millionen Euro. Kostic, Halilovic! – Das wird spielerisch nun endlich besser, das gibt ein tolles Umschaltspiel! – So habe auch ich es mir im Sommer ausgemalt. Und übersehen, dass man gar nicht den passenden Trainer hatte für diese sich vage andeutende Spielidee; dass andere Akteure des Kaders zu diesem Ansatz nicht passten, wichtige Mannschaftspositionen ungenügend blieben und dass das Offensivspiel schon seit November 2015 erheblich gelitten hatte, ohne dass ein Verantwortlicher das entschieden angesprochen hätte. Wird schon alles irgendwie werden, Geld schießt doch Tore!
·       Erlöserfigur Trainer: Auch das habe ich unter HSVern seit Jahren immer wieder wahrgenommen, diese Sehnsucht nach einem neuen Mann an der Außenlinie, der  zeitgemäße taktische Vorstellungen hat. Ich habe diese Sehnsucht auch oft geteilt. Es ist doch woanders auch so, dass ein neuer Coach kommt – und sofort starten die durch! Leider wollte oder konnte ich nicht sehen, dass Martin Schmidt in Mainz zu einer Kultur passte, die der Verein über Jahre entwickelt hatte. Oder dass Julian Nagelsmann in Hoffenheim an Rangnick und den „frühen Hoffenheimer Gisdol“ anknüpfen konnte, deren Ideen im Nachwuchs noch überdauert hatten. Nagelsmann sagte der FAZ neulich übrigens, Taktik mache 35, vielleicht 40 Prozent des Erfolges aus; der Rest sei Teamführung (http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/tsg-1899-hoffenheim-trainer-julian-nagelsmann-im-interview-14472697-p3.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3). Jeder mag sich selbst fragen, wie es um die Teamfähigkeit im HSV bestellt ist, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende eine sichtbar haltlose Truppe in die alleinige Verantwortung nimmt. Kurzum: Wo Trainer Erfolge feiern, konnten sie entweder – ausgestattet mit Geduld und Vertrauen – selbst stilbildend wirken (Klopp in Dortmund, Weinzierl in Augsburg) oder an eine Idee anknüpfen, die schon vor ihnen existierte. Der HSV hat weder Geduld noch eine Idee, sondern nur eine verunsicherte Mannschaft zu bieten, die seit Jahren Halt sucht, den sie, wenn man ehrlich ist, schon in der vergangenen Rückrunde ab und an wieder verloren hatte. Bruno Labbadia – auch so einer Erlöserfigur (einmal hat er uns ja auch wirklich erlöst) hat leider auf all seinen Stationen bewiesen, dass er zwar schnellen Erfolg garantieren, aber kaum eine dauerhafte Spielidee entwickeln kann.

Die Liste mit Erlösungsmotiven ließe sich sicher noch fortsetzen. Aber wichtig ist mir das Muster: Wo harte Arbeit, Auseinandersetzung um den richtigen Weg, detailreiche Konzepte, Mut, Geduld, Zusammenhalt und Vertrauen gefragt wären, erlag der HSV – vor und nach der Ausgliederung - immer wieder der Versuchung, dass die guten Zeiten schon wiederkehren, wenn man nur den einen richtigen Knopf drückte. Der HSV wirkt durch diese Hoffnung getrieben und lässt sich treiben; gerade die Sehnsucht nach schneller Erlösung bedingte eine schlimme Konturlosigkeit macht ihn heute zur tragischen Witzfigur, für die viele nur noch Mitleid oder Häme empfinden.

Was kann daraus folgen? Es gibt keine Gründe mehr, Dietmar Beiersdorfer – selbst der Versuchung erlegen, uns als der bessere Sportchef von allem Unbill erlösen – noch eine Zukunft beim HSV zuzugestehen, in der er ohne Sportchef auskommt (dass er über 2018 hinaus im Amt bleiben kann, scheint ohnehin kaum noch vorstellbar). Veränderungen liegen in der Luft. Wieder lese ich Namen, die im Amt des Sportchefs schnelle – na, was wohl! – Erlösung versprechen. Für manche ist das Hrubesch, für andere Hoogma. Andere hoffen auf die große Lösung am Spielfeldrand, es bräuchte ja auch schon fast den Punkteschnitt, den Villas-Boas bei seinen bisherigen Stationen erreichte, um den HSV in der Liga zu halten.

Ich glaube aber, wenn nun wieder alles allein über Namen geregelt werden soll, wird es endgültig schiefgehen. Es muss, endlich, um Ideen und Konzepte gehen, die aus dem HSV selbst heraus wachsen und Halt bieten. Und sofern man einen Abstieg wirtschaftlich überhaupt verkraften kann, muss das notfalls auch in der 2. Bundesliga passieren, auf die man ja munter zusteuert. Neidvoll-anerkennend blicke ich auf den kommenden Ligagegner aus Köln und darauf, was dort entstanden ist. Und mit Blick Richtung Leipzig sieht man, dass Geld zwar hilft – besonders gut aber offenbar an Orten, an die es für eine Spielidee, für ein schlüssiges Konzept eingesetzt wird.
Es kann nicht mehr um schnelle Erlösung gehen, so nachvollziehbar der Wunsch danach ist. Es geht um Arbeit, wohl auch um das glückliche Händchen, nun ein, zwei (Gisdol ist ja schon da) richtige Köpfe zu finden.


Samstag, 22. Oktober 2016

Hilflos - Ratlos - Fassungslos

Gestern nach dem Abpfiff von Gisdols Heimpremiere stand ich auf der Nord und blickte in die ausdruckslosen Gesichter der HSV-Spieler.
Ja, ich konnte sie sehen, da ich einer der wenigen war die sich nicht weggedreht haben, als die Spieler ihren traurigen Gang in die Kurve antraten. Auch meinen Mittelfinger ließ ich mit dem Rest der Hand zur Faust geballt in der Hosentasche. Den Blick leer auf die Szene gerichtet, die sich 30 Meter von mir entfernt abspielte.
Wie geprügelte Hunde schlich sich die Mannschaft in die Kurve und einen trostlosen Augenblick später in Richtung Kabine. Rat- und hilflos ob der gezeigten Leistung, des erneute Versagens.

Ebenso rat- und hilflos wirkte die Mannschaft während der vorangegangenen 90 Minuten auf dem Spielfeld. Einmal mehr gelang kein gefährlicher Schuss auf des Gegners Tor und der einzige Treffer war bezeichnender Weise ein Eigentor. Auch wenn ich den Spielern das Engagement nicht absprechen will, war ihr Tun doch unkoordiniert und verpuffte deshalb. Dabei brauchten die Frankfurter bei weitem nicht an ihre Leistungsgrenze zu gehen.

Mittlerweile sollte eigentlich auch dem Letzten (nennen wir ihn Beiersdorfer) klar geworden sein, dass es nicht reicht ein paar Spieler oder einen Trainer auszutauschen um den leckgeschlagenen Tanker mit der Raute wieder flott zu bekommen. Bis heute hat man es nicht geschafft aus Stadt, Verein und Umfeld eine Einheit zu formen und das spiegelt sich halt auf dem Platz wieder.
In Hamburg ist jedem klar, dass Beiersdorfer gescheitert ist, aber kaum jemand spricht es aus, weil auch keiner weiß wie es nach Didi weitergehen soll. Man würde es sich auch zu einfach machen, wenn man den als Vorstandsvorsitzenden hoffnungslos überforderten Beiersdorfer als Alleinschuldigen für die Misere des HSV hinstellen würde, auch wenn dieser das (blasse) Gesicht der HSV-AG ist.
In den letzten zweieinhalb Jahren ist das Konstrukt HSV durch die Abhängigkeit vom Geld Kühnes so unübersichtlich geworden, dass es von außen unmöglich scheint ein Sanierungskonzept zu erstellen. Schlimm ist, dass im Verein (der AG) anscheinend auch niemand ist, der dieses Mammutprojekt entschlossen angehen will, oder kann.

So wird es wohl oder übel darauf hinaus laufen, dass sich nichts Entscheidendes ändert, dass die Mannschaft sich irgendwie zur Relegation oder zu Platz 14 würgt, dass der Absatz von #pinkschockt Trikots und „unabsteigbar“ T-Shirts floriert und dass „die da oben“ ob mit oder ohne Didi weiter vor sich hin dilettieren bis der HSV so an die Wand gefahren, dass man die Überreste dort abkratzen muss.
Gestern Abend wünschte ich mir, dass dieser Prozess möglichst schnell gehen möge.

Ein Wort noch zu den Ausgliederungsgegnern, die meinen, dass es mit der alten Vereinsstruktur auch nicht schlechter hätte laufen können.
Ja, ihr habt recht, aber durch die Ausgliederung 2014 hat man sich zumindest die Chance gewählt etwas zu verbessern. Dass man bei der Umsetzung derart versagen würde war zumindest für mich nicht zu erahnen.