Samstag, 29. Juli 2017

Die müllersche Zwickmühle

Jens Todt macht momentan einen aufgeräumten Eindruck, wenn er sich in Kurzinterviews, wie hier beim NDR zum Stand der Transfers äußert. Mir gefällt, dass er dabei nur das ohnehin Bekannte bestätigt,  ohne weitere Details preiszugeben.
Dabei ist der Manager ob der an ihn gestellten Erwartungen nicht zu beneiden.

Natürlich ist die wichtigste Aufgabe das Zusammenstellen eines schlagkräftigen Kaders.
Dabei gilt es möglichst viele Wünsche des Trainers zu erfüllen. Mit der Verpflichtung von Hahn, Pollersbeck und Papadopoulos, sowie der Vertragsverlängerung von Bobby Wood ist der Sportchef dabei auf einem guten Weg, mit zwei weiteren Defensivakteuren könnte man den Kader als komplett bezeichnen. (siehe dazu auch Kaderplanung)

Anders sieht es bei den Verkäufen aus.
Wie viele seiner Vorgänger hat Todt unter der Last der bestehenden Verträge zu leiden. Einen Lasogga, der seit über einem Jahr kaum eine Rolle spielt zu transferieren ist auf Grund seines Gehalts schlicht unmöglich, selbst ein Transfer mit Abfindung wie bei Nabil Bahoui, dem man ein Drittel seines üppigen Jahresgehalts hinterherwerfen musste damit er geht scheint im Falle des Hoffnungsträgers aD. kaum vorstellbar.
Auch für Holtby und Hunt scheinen die gewünschten Angebote auszubleiben, da die Höhe der Gehälter auch hier mögliche Interessenten abschreckt. Hinzu kommt, dass die beiden „Engländer“ in der vergangenen Saison zum Stamm gehörten und daher auch ersetzt werden müssten.

Noch komplizierter stellt sich der Fall Nicolai Müller dar. Der in zwei Monaten dreißig Jahre alt werdende Angreifer ist einer der wenigen Leistungsträger gewesen und steht daher bei Trainer, Verein und Fans gleichermaßen hoch im Kurs. Komischer Weise ist das auch dem Berater von Müller nicht entgangen und dieser besteht bei einer Verlängerung des in einem Jahr auslaufenden Vertrags auf eine deutliche Erhöhung der Bezüge. Diese kann sich der HSV eigentlich nicht leisten, da auch nicht damit zu rechnen ist für Müller noch eine nennenswerte Ablöse zu erzielen. Andersrum hat der Verein so wenig Leistungsträger, dass man sich den Abgang Müllers nicht vorstellen möchte und ein entsprechender Ersatz nicht günstiger würde. Daher schließt der Verein einen Wechsel aus. Behält man ihn jedoch ein weiteres Jahr geht Müller ablösefrei.

Diese müllersche Zwickmühle verdeutlicht das Problem des HSV.
Das ungeschriebene Gesetz des Transfermarktes bei Spielern vor ihrem letzten Vertragsjahr „Verlängern oder Gehen“ welches auf wirtschaftlicher Vernunft beruht findet beim HSV seit Jahren schon keine Anwendung mehr. Ich möchte in diesem Zusammenhang an Ruud van Nistelroy erinnern, den man in seinem letzten halben Jahr beim HSV hielt, obwohl Real Madrid sehr interessante Angebote machte.
Dabei liegt die Lösung sogar sehr nahe, da man in Bakery Jatta den Nachfolger schon in den eigenen Reihen hat. Selbstverständlich ist mir bewusst, dass Jatta noch Schwächen im taktischen Spiel hat, aber dann müsste um ihn abzusichern ein Diekmeier eben etwas defensiver spielen, was bei der Angriffsstärke des Rechtsverteidigers kein großer Verlust wäre.

Diese Lösung würde mehrere Zeichen setzen:
- Der HSV lässt sich nicht erpressen
- Der HSV versucht sein Gehaltsniveau in den Griff zu bekommen
- Der HSV setzt auf die Jugend

Zeichen auf die ich als Fan schon lange warte. Und ganz nebenbei würde man Eier zeigen, indem man ein Risiko pro Nachwuchs eingeht anstatt den vermeidlich sicheren Weg über die gestandenen Profis zu gehen.
Wenn also Todt den Wechsel von Nicolai Müller so kategorisch ausschließt hoffe ich, dass er dies aus verhandlungstaktischen Gründen tut.
Aber was habe ich in den letzten Jahren nicht alles gehofft…

Samstag, 1. Juli 2017

Warum so skeptisch?

Auf meinen letzten Post Kaderplanung habe ich sehr unterschiedliches Feedback bekommen. Von Zustimmung über Unverständnis bis zum Vorwurf, dass ich durch meine Schreiberei die Arbeit des Vorstands torpedieren würde war alles dabei.
Also letzteres kann ich leicht entkräften, da die Reichweite meines Blogs so gering ist, dass er vom Vorstand des HSV kaum wahrgenommen wird und dessen Handeln schon gar nicht beeinflusst.
Trotzdem möchte ich gerne einmal erläutern, wie ich zu meiner grundskeptischen Haltung gegenüber dem Handeln meines Vereins gekommen bin.

Ja, der HSV ist wie schon seit über 40 Jahren mein Verein und ich wünsche ihm nur das Allerbeste. Ich möchte, dass die besten Spieler der Welt im Volkspark von den besten Trainern unter den besten Bedingungen angeleitet werden und dabei bestmöglich verdienen.
Natürlich bin ich mir voll und ganz im Klaren darüber, dass dieser Wunsch momentan fern ab jeglicher Realität anzusiedeln ist und es viel mehr darum geht den Verein in ruhiges Gewässer zu führen, um wieder die volle Kontrolle über das schlingernde Schiff zurück zu erlangen.
Dies war im Sommer 2013 auch der Grund warum es Otto Rieckhoff so leicht hatte mich in sein Boot zu holen, als er auf der Mitgliederversammlung Veränderungen anmahnte, schließlich hatte ich schon im Vorwege dieser MV auf neue Wege gehofft (Reden ist Silber, Handeln ist Gold), ohne jedoch eine Ausgliederung für möglich zu halten.

Als diese sich dann doch anbahnte war ich Feuer und Flamme für die Ideen und das Konzept, welches von HSVPlus präsentiert wurde. Heute, vier Jahre nach Rieckhoffs Rede und drei Jahre nach der Ausgliederung kann ich gegenüber den Gegnern von damals nur einräumen, dass sie mit ihren Bedenken richtig lagen und dass man bei der Umsetzung der Ausgliederung auf die falschen Personen gesetzt hat.
Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass es dem Verein ohne die Veränderungen von damals eher schlechter als besser gehen würde, aber das ist selbstverständlich nur meine Einschätzung, die nicht zu beweisen ist.

Dietmar Beiersdorfer hat es nie geschafft Klaus Michael Kühne auf Augenhöhe zu begegnen, immer trat er dem Gönner als Bittsteller gegenüber. Dieser untermauerte seine Stellung als Helfer in der Not durch die Art und Weise seiner Unterstützung. Schon bei der ersten Transferoffensive der jungen AG wurden von KMK Gelder in Aussicht gestellt, die aber erst so spät eintrafen, dass der Großteil der Transfers schon getätigt war. Denken wir nur an die Leihe von Lewis Holtby, die sich nach drei (?) Pflichtspieleinsätzen schon zum Kauf optionierte.
Die Gehälter der Neuzugänge hatte der HSV zu erwirtschaften, die Ablösen wurden über Darlehen finanziert, die später zu Anteilen umgewandelt wurden. Beiersdorfer spekulierte auf sofortigen sportlichen Erfolg, um durch die damit verbundenen Mehreinnahmen den eingegangenen Verpflichtungen nachkommen zu können. Durch zweifelhafte Entscheidungen wie zum Beispiel mit Mirko Slomka in die Saison zu gehen gefährdete er den Erfolg zu gleich, das Ergebnis (die erneute Relegation) kennen wir alle.

Im Nachhinein ist man natürlich schlauer und dass Beiersdorfer nach Wissen und Gewissen handelte steht für mich außer Frage und doch hielt er am eingeschlagenen Weg fest, obwohl er doch gelernt haben müsste welch Geistes Kind Herr Kühne ist.
Exemplarisch dafür möchte ich an den Erwerb der Namensrechte für das Stadion durch Kühne erinnern, mit der uns die gleichzeitigen Umwandelungen von Darlehen in Anteile schmackhaft gemacht wurden. Warum nur hat Herr Kühne damals so hart um die Höhe der Anteile gefeilscht und nicht einfach das Geld für die Namensrechte obendrauf gegeben?  Über die Namensrechte für das Stadion hätte man weitere Partner in Boot holen und die Abhängigkeit von KMK reduzieren können, doch das war nicht im Interesse des Gönners.

Durch den ausbleibenden Erfolg waren die hohen Gehälter der von Kühne finanzierten Transfers nicht zu erwirtschaften, hinzu kamen jede Menge Abfindungen für Spieler, Trainer und Manager, die man vom Hof jagte und zu schlechter Letzt auch noch für Beiersdorfer selbst.
In nur zweieinhalb Jahren hat Beiersdorfer den HSV in die totale Abhängigkeit Kühnes geführt.
Natürlich hat er, wie er immer wieder betonte, Prozesse angeschoben und den Verein befriedet, wirtschaftlich gesehen war seine Amtszeit ein Desaster!

Als Heribert Bruchhagen im vergangenen Winter übernahm, war die sportliche Situation des HSV derart kritisch, dass er sich genötigt sah wieder in den Kader investieren zu müssen und diesen mit Papadopoulos, Mavraj und Walace zu verstärken. Mit Geld, das nicht zur Verfügung stand.
Eine unter Berücksichtigung des drohenden Abstiegs nachvollziehbare Entscheidung, doch für die jetzige Transferperiode besteht diese akute Gefahr nicht. Schließlich hat man mit dem bestehenden Kader in der Rückrunde 25 Punkte geholt.
Konnte ich mit den Personalien Papadopoulos und Wood noch gut leben, da diese entscheidend zu Platz 7 der Rückrundentabelle beigetragen haben, fehlt mit jegliches Verständnis für den vierten Torwart und den siebten(!) Mittelstürmer im Kader.

Mit fünf Sätzen in den Medien gelang es Kühne die handelnden Personen derart unter Druck zu setzen, dass diese vom Vorhaben der Konsolidierung abrückten und den Kader aufstockten bevor der Verkauf anderer Spieler eingetütet war.
Wieder einmal werden die Ablösen von Kühne bezahlt, zu Bedingungen, die sich mir nach wie vor nicht komplett erschließen wollen. Verfallen die Darlehen Kühnes wirklich, wenn der HSV nicht in drei der nächsten sechs (jetzt nur noch fünf) Jahren den Europapokal erreicht? Und wie läuft die Rückzahlung wenn dieses unwahrscheinliche Erfolgsszenario eintreffen sollte?
Verzeiht mir bitte, wenn ich nicht mehr an die vorbehaltslose Unterstützung Kühnes glaube.

Da jetzt auch die Gehälter der Neuzugänge von Kühne gezahlt werden, scheinen diese zumindest für dieses Jahr gesichert, aber was ist, wenn zur kommenden Saison Kühne die Nase voll hat und nicht mehr für die laufenden Kosten aufkommen will?
Nein, mir sind das zu viele Fragezeichen. Ich habe mir von Bruchhagen & Co anderes versprochen als die Abhängigkeit vom Gönner weiter voran zu treiben und genau danach sieht es für mich derzeit aus. Auch wenn das Transferfenster noch zwei Monate geöffnet ist.
Natürlich kann man die vergangenen drei Jahre nicht in ein paar Wochen vergessen machen, doch habe ich  auf deutliche Zeichen gehofft, dass man ernsthaft und auch glaubhaft versucht sich von Kühne zu emanzipieren. Nach den Transfers von Pollersbeck und Hahn (ungeachtet der sportlichen Qualität) kann ich nur meine Enttäuschung über das Handeln des Vorstands und das erneute Abnicken des Aufsichtsrats zum Ausdruck bringen.
Ja, das Transferfenster ist noch für zwei Monate geöffnet und vielleicht werden ja auch noch Spieler verkauft, doch wird in dieser Hinsicht bislang wieder einmal auf das Prinzip Hoffnung gesetzt und das kann ich einfach nicht nachvollziehen.

Vielleicht kann ich dem einen oder anderen Leser mit diesen Zeilen meine Haltung näher bringen. Seid gewiss, dass ich mich über jedes Tor, jeden Sieg meines HSV freuen werde, aber das wirtschaftliche Handeln mag ich nicht unkommentiert lassen und so will ich es auch in Zukunft halten.

Nur der HSV!

Sonntag, 25. Juni 2017

Kaderplanung

Wenn es im vergangenen Halbjahr einen MVP beim HSV gegeben hätte, würde dieser unter Garantie Kyriakos Papadopoulos heißen. Ihm zu Ehren spielte man vor den Heimspielen einen Syrtaki ein und die Fans klatschten und hüpften dazu im Takt. Auch auf dem Platz stieg der Grieche von Null auf Hundert zum Leader auf, hielt Ansprachen im Mannschaftskreis vor und nach den Spielen und setzte mit seinem Einsatz auf dem Feld Zeichen.
Bei Bobby Wood verhält es sich ganz ähnlich. Der Amerikaner hat eine Zielstrebigkeit und Abschlussstärke, die man im Volkspark zumindest auf Seiten der Rothosen schon lange nicht mehr gesehen hat und Bobby kann noch besser werden, wenn er lernt sich besser im Kombinationsspiel einzubringen und unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wer will es also den handelnden Personen beim HSV verdenken, wenn sie sich weit aus dem Fenster lehnen, um Papa endgültig zu verpflichten und Wood längerfristig an den Verein zu binden?

Natürlich hat Qualität ihren Preis. Da aber die Ablöse für Papa von Herrn Kühne übernommen wird und die Rückzahlungsregularien für das erneute Darlehen mir nicht bekannt sind soll diese hier keine große Rolle spielen. Fakt ist jedoch, dass Papadopoulos in seiner Karriere sehr oft (auch schwer) verletzt war. Auch hat es meines Wissens nach auf dem Transfermarkt keine großen Rangeleien um ihn gegeben. Fakt ist auch, dass man einen Spieler von Papas Qualität ohne dieses Aber nicht zum HSV hätte lotsen können.
Es ist ein Riskotransfer, der aus sportlicher und teamtaktischer Sicht aber Sinn machen kann.
Das Risiko bei Wood besteht darin, dass viele Spieler beim HSV leistungsmäßig stagniert sind und Bobby nach seiner Vertragsverlängerung zu einem Spitzenverdiener im Kader aufsteigt und ein Gehalt beziehen wird in das er sich noch hinein entwickeln muss.

Was bedeuten diese beiden Personalien aber für die weitere Kaderplanung?
Die Innenverteidigung wurde im Winter relativ gehaltsneutral von Spahic/Djourou zu Mavraj/Papa umgebaut. Dabei verursachte das halbe Jahr in dem man alle vier IVs bezahlen musste Mehrkosten von 2 – 2,5 Millionen Euro, die zur neuen Saison wegfallen. Als Backup steht nur Jung im Kader, Ekdal und Sakai in der Innenverteidigung sind absolute Notlösungen.
Weitere Einsparungen wie von Christian hier zusammengefasst bestehen durch die Abgänge von Adler und Ostrzolek, wobei nicht geklärt ist in wie weit man die diese ersetzen will.

In Hamburg war es jahrelang schlechte Sitte, dass man Felle von Tieren verkauft hat, die man noch nicht erlegt hatte. Man ging immer davon aus, diesen oder jenen Spieler noch abgeben zu können, verpflichtete deren Nachfolger und blieb auf den Vorgängern sitzen.
Das kann man sich momentan nicht mehr leisten!
Wenn ich also lese, dass man ja Lasogga, Hunt, Holtby abgeben könnte um die Lücke im Gehaltsetat, die nach Christians Rechnung noch ca 3 Millionen Euro beträgt zu schließen rollen sich mir die Fußnägel hoch, da es für diese Spieler auf Grund ihrer hohen (überhöhten) Bezüge schlicht und einfach keinen Markt gibt.
Wenn ich lese, dass man einen Pollersbeck verpflichten will, weil Mathenia und Mickel den Ansprüchen nicht genügen frage ich mich, ob man denn partout nichts aus den Fehlern vergangener Tage lernen will und was außer dem Klassenerhalt der Anspruch des HSV sein kann.

Natürlich ist es schwer die beiersdorfersche Misswirtschaft innerhalb einer Transferperiode gerade zu rücken und eigentlich ist es nur möglich in dem man sich sportlich verbessert, aber das man sportlichen Erfolg (zumindest in Hamburg) nicht kaufen kann und wohin es führt wenn man das mit fremden Mitteln versucht sehen wir doch, wenn zur Erlangung der Lizenz Anteile verkauft werden müssen.

Die Alternative zur Personalie Wood wäre ein Verkauf für die festgeschriebene Ablöse von 12 Millionen Euro gewesen und auf Gregoritsch als seinen Nachfolger zu setzen. Mit Waldschmidt hätte man einen entwicklungsfähigen  Nachwuchsstürmer auf der Payroll, Lasogga und Schipplock sind die Notlösungen. Fiete Arp sollte man versuchen in diesem Jahr an den Kader heran zu führen, um ihn im Sommer 2018 einbauen zu können. Selbstverständlich wäre auch das ein Weg mit Risiko gewesen.
Bei Padopoulos liegt der Fall auf Grund seiner herausragenden Stellung auf dem Platz anders und die Verpflichtung sehe ich fast als ein Muss an. Auch wenn das Risiko auf Grund der Verletzungsanfälligkeit sehr hoch ist.

Für die Alternative ist es jetzt zu spät, genau wie es für eine abschließende Beurteilung der Transfertätigkeiten noch zu früh ist. Stand heute hat man den Kader der in der Rückrunde 25 Punkte holte bis auf Adler und Ostrzolek zusammengehalten und dabei im Vergleich zum Vorjahr ca 5 Millionen Euro an Gehalt eingespart, dafür aber 6 Millionen Euro (plus eventueller Nachzahlungen) für Papa ausgegeben, die wie oben erwähnt aber wohl durch Kühne finanziert werden.
Das ist noch nicht das wo man hin müsste, aber eben auch kein Harakiri.
Der Spielraum für weitere Transfers ist aber nur gegeben, wenn man Kühne davon überzeugen kann auch Gehälter zu übernehmen, bzw. Geld nicht zweckgebunden zur Verfügung zu stellen.
Ehrlich gesagt begeistert mich diese Aussicht wenig, aber danach fragt ja auch keiner.

Über die Kaderplanung mit Kühne habe ich mich auch mit Daniel Jovanov im HSVTalk unterhalten.




Samstag, 10. Juni 2017

Einzug der Vernunft?

Seit mehreren Jahren (sch)reibe ich meine Meinung über den HSV denjenigen unter  die Nase, die so leichtsinnig sind auf HSVSpox, die Zwergenwerke oder den HSVTalk zu klicken, wobei ich bei letzterem doch mehr Wert auf die Meinung anderer gelegt habe. Auch jetzt juckt es bei vielen Meldungen über, oder um den HSV herum aufzuschreien, oder wie es meiner Art eher entspricht zu versuchen die Dinge einzuordnen und aus der persönlichen Sichtweise wiederzugeben. Manchmal (so auch heute) gebe ich diesem Jucken nach.

Mehr und mehr Menschen, die es mit meinem Verein halten sind zu der Erkenntnis gekommen, dass es so nicht weiter gehen kann. Der von Beiersdorfer & Co KG eingeschlagene Weg den Verein durch sportlichen Erfolg zu sanieren, den man teuer erkauft ist grandios gescheitert. Die HSV-AG hängt am Tropf eines externen Gönners, der immer wieder mit sich selbst zu ringen scheint, ob er denn mehr Fan oder Geschäftsmann ist, ob er sich (auch über dritte) ins operative Geschäft einmischen soll, oder eben nicht.
Mittlerweile sollte auch dem letzten Kühnekritiker klar geworden sein, dass es sich bei dem kantigen Achtzigjährigen nicht um einen Investor handelt, der einen Gewinn aus seinem Engagement ziehen will, sondern um einen Fan, der zu seinen Lebzeiten den Verein zu alter Stärke erblühen lassen will, der aber auch schmerzvoll lernen musste, dass sich dieses Ziel nicht einfach durch das Verabreichen von ein paar Finanzspritzen erreichen lässt.

Weder die Einflussnahme von innen (Hilke, Gernandt) noch die Beratung von außen (Callmund, Struth) führte zum Erfolg, nein es stellt sich sogar die Frage und ich denke diese stellt sich Herr Kühne auch, ob der HSV ohne sein Engagement nicht sogar besser dastehen könnte, als es momentan der Fall ist.
Und trotzdem, fast trotzig, kündigt KMK an, sich auch weiterhin finanziell engagieren zu wollen.
Er scheint zu denken, dass er, wie am Roulette-Tisch, nur lange genug auf eine Farbe setzen muss, damit diese dann auch erscheint. Auf eine Rückgewinnung seines verlorenen (Spiel-) Kapitals ist er ja nicht angewiesen.

Für den HSV bedeutet dies Glück im Unglück, hat er in Kühne einen, wenn auch unbequemen, so doch zuverlässigen Partner an seiner Seite. Allerdings erwartete dieser Partner auch immer ein Mitziehen des Vereins. Stellte Kühne die Ablöse für einen Transfer zur Verfügung erwartete er (nachvollziehbar), dass die Gehaltszahlungen von Vereinsseite zu erfolgen wären.
Zu dieser Quid-pro-quo-Haltung ist der HSV trotz, oder durch die Kühnebeteiligungen nicht mehr in der Lage.

Seit Jahren verlassen die teuren, gestandenen Spieler, die Leistungsträger von gestern den Verein bestenfalls ablösefrei, die talentierten Leistungsträger von morgen werden hingegen verkauft um die Löcher im Etat zu stopfen, oder abgegeben, da man das Potential nicht erkannte, oder nicht zum Tragen bringen konnte.
Dieses Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben könnten nur durch sportlichen Erfolg kompensiert werden, der allerdings seit Ewigkeiten auf sich warten lässt.
Beiersdorfer -um den Faden wieder aufzunehmen- hat bestimmt einiges zur Befriedung des Vereins geleistet und wenn er von „angeschobenen Projekten“ spricht mag er den Campus (besser Alexander Otto Akademie) und Teilerfolge im Jugendbereich meinen, den Kosten-Nutzen-Faktor des Profikaders hat er jedoch komplett aus den Augen verloren.

Heribert Bruchhagen und Jens Todt fällt eigentlich die Aufgabe zu diese Schieflage wieder gerade zu rücken und doch bedarf es das energische Einschreiten eines Andreas Peters im Aufsichtsrat, um dieses Vorhaben anzugehen. Dabei sollte doch jedem klar geworden sein, dass nur ein Maßhalten dem HSV irgendwann in ferner Zukunft wieder das Heft des Handelns in die Hand geben kann.
Die Initiative von Peters und seinen Mitstreitern ist in meinen Augen alternativlos und sollte von Mitgliedern und Fans entsprechend unterstützt werden. Vielleicht gelingt es dann ja sogar einen Herrn Kühne zum nachhaltigen Investieren zu bewegen.

Sonntag, 21. Mai 2017

Tick Tack

Vorab als Info an die, die sich Sorgen machen, dass ich mich bei diesem schönen Wetter verkrieche um über den HSV zu schreiben: Ich sitze auf der Terrasse und genieße Familie, Wetter und die Sommerpause in der Bundesliga, nachdem ich den gestrigen Abend mit tollen (Fußball) Menschen aus mehreren Vereinen verleben durfte.

Einmal mehr war ich gestern total erschlagen, als in der 88. Minute der Siegtreffer (und natürlich nicht der Ausgleich, danke Tanja und Kai) fiel und kurz darauf abgepfiffen wurde. Dem Jubel und dem Herausschreien der Erleichterung folgten einige Minuten der Erschöpfung, des Kopfschüttelns und des Begreifens, dass auch diese Saison ihr Ende gefunden hat.
Vorausgegangen ist ein Spiel, das als Spiegelbild der Saison herhalten konnte. Das erste Drittel des Spiels wurde vom Gegner dominiert, der technisch, läuferisch und auch kämpferisch derartig überlegen war, dass ich mich schon fragte, ob ich mir die Relegation denn im Stadion antun sollte.
Man merkte auch auf der Nordtribüne, wie es jedem einzelnen schwer und immer schwerer gefallen ist den HSV zu unterstützen. Das Herz wollte, doch das was die Augen zu sehen bekamen blockierte Stimme und Hände, blockierte den Support.

Dann aus dem absoluten Nichts, natürlich auf Grund eines Fehlers im Wolfsburger Aufbauspiel fiel der Ausgleich und der Glaube, dass wir die Klasse halten weil „ist eben so“ kam zurück und im gleichen Maße nahm die Überlegenheit des Gegners ab, der zwar immer noch das bessere Team war, aber halt nicht ganz so überlegen wie zu Beginn des Spiels. Gegen Ende kam es wie so oft in engen Situationen des Sports auf den Willen, die Entschlossenheit an und zu wessen Gunsten dieses Pendel letztlich ausschlug kann man am Endergebnis ablesen.
Ich war auf Schalke im Gästeblock, als Lasogga getroffen hat und jetzt beim Tor von Waldschmidt auf der Nord und ich kann nur sagen, dass die Emotionen, die dort frei wurden jeden Platzsturm dieser Welt rechtfertigten, zumal wenn dieser so friedlich und authentisch wie gestern abläuft.



Wer mich kennt, liest und hört weiß, dass mir die Versäumnisse der letzen Jahre durchaus bewusst sind und sich meine Hoffnung, dass der Verein aus den Fehlern der Vergangenheit lernt auf ein Minimum reduziert haben, auch stimme ich der These zu, dass der HSV den Abstieg längst verdient hat, doch ich bin auch der Meinung, dass wir der (ersten) Liga wesentlich mehr zu geben haben, als so manch ein anderer Verein.
Das mag man mir als Arroganz auslegen, ist aber nichts desto trotz meine Meinung.
In diesem Sinne

Nur der HSV!

Samstag, 15. April 2017

Neulich, vor zwei Jahren

Genau zwei Jahre ist es her, dass der HSV in höchster Not Bruno Labbadia als Trainer verpflichtet hat, nachdem die Experimente mit Joe Zinnbauer und Peter Knäbel gescheitert waren.
Auf Platz 18 hat Labbadia den HSV damals vorgefunden, von einem Mannschaftsgefüge konnte nicht die Rede sein dafür hat nicht zuletzt Interimstrainer Knäbel mit seinen unmöglichen Aussagen nach den Spielen gesorgt.

Keinen Pfifferling hätte ich seiner Zeit auf den Klassenerhalt gesetzt, doch Labbadia erreichte die Spieler und schaffte es eine Zweckgemeinschaft auf Zeit zu formen. Das Happy End in Karlsruhe muss ich hier nicht schildern, denn daran hat wohl jeder HSV-Fan  seine ganz persönliche Erinnerung.

Tomorrow my friend, tomorrow geht es wie im ersten Spiel unter Bruno nach Brähmen, natürlich unter wesentlich besseren, da entspannteren Vorzeichen. Ein Derbysieg käme fast schon dem Klassenerhalt gleich und selbst bei einer Niederlage –also nicht, dass ich daran einen Gedanken verschwenden würde- hielte sich der tabellarische Schaden in Grenzen.
Daran, dass wir am Ostersonntag dieses  Derby und nicht irgendein Stadtderby spielen dürfen hat Bruno Labbadia einen großen Anteil und auch wenn sein Abschied vor einem halben Jahr folgerichtig und notwendig war, hat sich Labbadia einen Platz im Vereinsolymp und in meinem Herzen verdient.

Ich schreibe diese Zeilen auf Grund einer abfälligen Bemerkung über Labbadia die ich auf Facebook gefunden habe und möchte bei allen HSV-Fans etwas Bodenhaftung einfordern.
Lasst uns nicht wieder den Fehler begehen zu vergessen wo wir herkommen und dass wir uns noch lange nicht wieder zurücklehnen dürfen.
Die neue Vereinsführung lebt dieses neue Selbstverständnis nahezu perfekt vor und ich gehe ihren Weg zu hundert Prozent geerdet mit. Ohne allerdings dabei die Helden von vor zwei Jahren zu vergessen…

Auf zum Derbysieg
Nur der HSV

Samstag, 19. November 2016

Hilke und der HSV

Zwischen den Schlagzeilen „Der Hilkeabgang stürzt den HSV endgültig ins Chaos“ und „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ ist viel Interpretationsspielraum und diesen will ich hier -natürlich absolut subjektiv- nutzen.
Ich würde lügen, wenn ich schreibe, dass ich die Entscheidung Hilkes den HSV zum Jahresende zu verlassen bedauern würde.
Im Gegenteil. Ich halte Joachim Hilke für einen der Architekten des Chaos, das im HSV herrscht.

Vorab möchte ich klarstellen, dass ich mir nicht anmaße die eigentliche Arbeit Hilkes als Marketingchef und später als Marketingvorstand zu bewerten, schließlich muss man sehen, dass der HSV trotz der anhaltenden sportlichen Talfahrt zumindest in Sachen Umsatz noch zu den Schwergewichten im deutschen Fußball gehört. Die einen sagen wegen, die anderen trotz Hilke.
Auf hsv.de bewertet Aufsichtsratschef Karl Gernandt die Arbeit so:
„Unter Joachim Hilke haben wir den kommerziellen Bereich im HSV neu aufgestellt und es sind wichtige Projekte auf den Weg gebracht worden. Hierzu zählen insbesondere die HSV Campus-Entwicklung am Volkspark, die Einführung neuer profitabler Geschäftsfelder sowie die Internationalisierungsstrategie, die bereits mit interessanten Abschlüssen umgesetzt werden konnte.“
Dies mag jeder so beurteilen wie er will.

Dass Fly Emirates nach wie vor der Trikotsponsor des HSV ist mag auch am Standort Hamburg liegen, betrachtet man das weitere Engagement der Airline, darf man dies aber auch nicht als Selbstverständlichkeit betrachten und Joachim Hilke wird seinen Anteil daran haben.
Sonst bleibt von Hilke der bei den Fans auch heute noch umstrittene Wechsel des Bierpartners von Holsten zu König Pilsener (Carlsberg zu Bittburger Brauerei) in Erinnerung, was für viele ein Sinnbild des Wechsels von Traditions- zu Profitdenken war bzw. ist.
Ich hatte vor eineinhalb Jahren auf einem Fanclubtreffen (auf der auch folgendes Foto entstanden ist) die Möglichkeit mir diese Entscheidung von Joachim Hilke erklären zu lassen und kann nur sagen, dass sie –so wie es Hilke darstellte- für mich absolut nachvollziehbar ist.



Halten wir also fest, dass es für das Wirken eines Marketingchefs bestimmt leichtere Zeiten hätte geben könnte, als sie Hilke vorgefunden hat, was uns zur Frage führt, wie weit er diese mitverschuldet hat.
Dies führt mich in den Sommer 2012 zurück, als Frank Arnesen den Abgang von Guerrero, Petric und Co aus Geldmangel mit den Chelsea-Boys kompensieren musste und gegen seinen Willen mit Rafael van der Vaart einen Spieler in den Kader bekam, der nach den mäßig erfolgreichen Stationen Madrid und Tottenham von Klaus Michael Kühne per Darlehen finanziert zum HSV zurück geholt wurde.
Eine Entscheidung, die nicht nur Arnesen demontierte und seinen Abgang zur Folge hatte, sondern die auch die Stellung des Geldes über die des sportlichen Sachverstandes stellte und so zur Spaltung des Vereins beitrug.
Damals hat Joachim Hilke die Verhandlungen für den HSV (für Kühne) geführt.
Nach der Ausgliederung des Vereins im Jahr 2014 wurde Hilke nicht entlassen, sondern vom Aufsichtsrat (Vorsitz Gernandt)  in den Vorstand berufen. Hier einen Zusammenhang zu sehen ist wohl mehr als eine Verschwörungstheorie.

Klarstellen möchte ich jedoch, dass ich Joachim Hilke nicht unterstelle andere, oder eigene Interessen über die des HSV gestellt zu haben, nur hat er halt auf das falsche Pferd gesetzt und dadurch Spaltung und Misstrauen im Verein gefördert.
An anderer Stelle wäre er dafür jedoch beurlaubt und nicht befördert worden.

Lassen wir also die Vergangenheit hinter uns und wenden uns der Zukunft zu.
Hilkes Abgang macht einen Platz im Vorstand frei und kann so zur dringend notwendigen Umstrukturierung beitragen.
Meiner Meinung nach muss man den gesamten Vorstand austauschen, wobei ich mit einem Verbleib von Frank Wettstein, dessen Arbeit ich absolut nicht beurteilen kann durchaus leben könnte. Dabei sollte der neue Sportchef, so er denn jemals gefunden wird, einen Vorstandsposten bekommen, um seine Position zu stärken.
Natürlich muss auch der Posten des Vorstandsvorsitzenden neu besetzt werden!
Mehr gescheitert als Dietmar Beiersdorfer geht ja nun mal nicht. Auf eine Begründung dieser These verzichte ich auf Grund ihrer Offensichtlichkeit.

Das eigentliche Dilemma bei der Umstrukturierung des Vorstandes ist jedoch, dass diese vom ebenfalls stak angezählten Aufsichtsrat durchgeführt werden muss. Dabei ist vor allem die Rolle von Karl Gernandt zu hinterfragen, denn der neue Vorstand muss sich klar und deutlich von Klaus Michael Kühne distanzieren, um die eigene Entscheidungshoheit unter Beweis zu stellen.
Es braucht starke Persönlichkeiten im Vorstand, die ein Konzept erstellen und dieses konsequent verfolgen, selbst wenn dieses den Abstieg in dieser Saison zur Folge hätte.
Nein, ich glaube nicht an die heilende Wirkung eines Abstiegs, kenne aber die Auswirkung von konzeptionslosem Aktionismus.

Also ist die entscheidende Frage, ob der Aufsichtsrat ungeachtet der eigenen Zukunft nach den bestmöglichen Personen für den Vorstand Ausschau hält.
Sollte dies nicht der Fall sein muss Jens Meier als Vertreter des Vereins und somit der Aktienmehrheit im Aufsichtsrat handeln. Bleibt dieses Handeln aus sind wir Mitglieder gefragt, wobei unser Handeln schon zu spät erfolgen könnte, denn diese Umstrukturierung des Vorstandes scheint die letzte Patrone im Magazin des HSV zu sein.

Trotzdem und gerade jetzt: Nur der HSV